Buchrezensionen von  ...
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Eberhard Landes
Meine ganz privaten Literaturempfehlungen (Bücher, die ich einpacken werde, wenn ich reif bin für die Insel) sind:
"Bildung" von Dietrich Schwanitz (weil ich mich wohl auch dann noch wundern werde, was ich alles nicht weiß),
"Sturz ins Leere" von Joe Simpson (weil es so unbegreiflich ist, was Joe Simpson erlebt hat),
"Qi Gong" von  Kenneth Cohen (weil es so viele Geheimnisse in sich birgt),
"Allein auf den Everest" von Göran Kropp (weil er meine Hobbies Radfahren und Klettern "brutalst möglich" kombiniert hat),
"Narziß und Goldmund" von
Hermann Hesse (weil es mir von allen Klassikern das liebste Buch ist).
Und dann natürlich all die guten (... und zum Vergleich evtl. auch die nicht so guten) Bücher, die ich hier rezensiert habe.
Klicken Sie unten entweder auf  die verlinkten Namen der  Autoren oder auf die Links zu den Buchtiteln:

Belletristik

 

Sachbücher


Liste der

86
Autoren

 
Liste der
121
Titel

 
Liste der
34
Autoren

 
Liste der
35
Titel

Alanyali, Iris
Aramburo, Fernando


Bambaren, Sergio
Bettinger, Martin
Beigbeder, Frederic
Binding, Tim
Borger und Straub
Bourdouxhe
, Madeleine
Breloer, Heinrich
Bryson, Bill
Brown, Dan
Buhl, Marc

Carofiglio, Gianrico
Chevalier, Tracy
Clark, Rosie M.
Coello, Paulo
Cross, Donna W.



Dusse, Karsten
Dische, Irene
Dörrie, Doris
Drokur, Bernhard

Dürrenmatt, Friedrich


Eggers, Dave
Eschbach, Andreas


Falk, Rita
Ferrera Catalina
Fitzek, Sebastian
Fleischhauer, Wolfram
French, Nicci
Fried, Amelie



Genzmer, Herbert
Gruber, Lilli



Hannah, Kristin
Hammesfahr, Petra
Hasselmann, D.O.
Helfgen, Heinz
Hesse, Hermann
Heidenreich, Elke
Hoffman, Jilliane
Houellebecq, Michel

Illies, Florian

Jaud, Tommy
Jensen, Carsten
Jonasson, Jonas
de Jong, Wilfried

Kehlmann, Daniel
Klüpfel, Volker
Klonovsky, Michael
Kobr, Michael
Krächan, Brigitte
Kuhlmann, Heinrich

Leon, Donna

Mann, Thomas
Mankell, Henning
Mayle, Peter
Mercier, Pascal
Metzenthin, Melanie
Meyerhoff, Joachim
Moore, Tim
Morgan, Marlo
Mosley, Walter
Münzer, Hanni



Rademacher,  Cay
Rath, Hans

Read, Oliver
Rech, Kerstin
Rosendorfer, Herbert
Roth, Philipp

Safier, David

Schätzing, Frank
Schauhoff, Frank

Schlink, Bernhard
Schreiber, Claudia
Schröder, Bernd

Seltmann, Ingeborg
Suter, Martin

Tschirnt, Christiane
Tuma, Thomas
Twilfer, Kai


Williams, John
Wagendorp, Bert
Wagner, Emma
Walser, Martin
Weiler, Jan



 Zafon, Carlos Ruiz
Zeh, Juli
Zweig, Stefan
  Absterbende Gemütlichkeit
Achtsam Morden
Alle Toten fliegen hoch - Amerika
Allmen und die Libellen
Alpenpässe und Anchovis
Anleitung zum Unschuldigsein
Antonio im Wunderland
Auf der Suche nach Marie

Belas Sünden
Beerholms Vorstellung
Breaking News
Bücher, Alles was man lesen muss

Cliffhanger
Cupido

Dampfnudelblues

Das Erbe
Das Gesetz der Lagune
Das Jesus Video
Das Mädchen mit dem Perlenohrring
Das perfekte Spiel
Das Salzmädchen
Das selbstfahrende
Bett
Das sterbende Tier
Das weiße Segel
Das Wochenende

Der Alchimist
Der Circle
Der
Dämon und Fräulein Prym
Der letzte Weynfeldt
Der Koch
Der moderne Mann
Der
Verdacht
Der Schwarm
Der Teufel von Mailand
Der weiße Schmetterling
Der Zauberberg

Die Analphabetin, die rechnen konnte
Die blaue Reise 

Die dunkle Seite des Mondes
Die große Umwendung
Die Frau mit den Regenhänden
Die
Heimkehr 
Die Liebhaber meiner Frau
Die Nachtigall
Die Päpstin

Die rote Antilope
Die schwedischen Gummistiefel
Die
Therapie
Die
Schachnovelle
Die Vermessung der Welt
Die Zeit, die Zeit

drei sieben fünf

Ein Liebhaber ungerader Zahlen
Ein Mann und sein Rad
Ein Strand für meine Träume
Ein perfekter Freund
Emmas Glück
Encore  Provence
Erntedank

Flugangst7A

Großmama packt aus

Heute keine Schüsse
Höhenangst
Honigtot    
Horst allein zu Haus

Ich radle um die Welt
Illuminati
Im Gehege
Im Lautlosen
 In meinem kleinen Land

Kalte Rache

Land der Wunder
Lautlos
Lea
Leere Herzen
Letzte Etappe Mont Ventoux
Liebesfluchten
Lila, Lila

Mallorca, ein Jahr
Mehr Zeit mit Horst

Mein Jahr in der Provence
Mieses Karma
Milchgeld
Mörderischer Mistral
Monolog in Schwarz

Nachtzug nach Lissabon
Narziß und Goldmund
Neununddreissigneunzig
Nullzeit

Patria
Picknick mit Bären

Rasmussens letzte Reise
Rauhnacht

Rechtspfleger Grothjahn
Reise in die Nacht
Resturlaub
Ruhm

Sankt Martin
Schantall, tu ma die Omma winken
Seegrund
Small World 
Solange es Schmetterlinge gibt
Spanische Delikatessen
Spiel des Engels
Stoner
Streifzüge durch das Abendland

Tod eines Kritikers 
Traumreisende

Tyll

Überleben 
Und Gott sprach: Wir müssen reden
Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch
Und Gott sprach: Du musst mir helfen
Und was wird aus mir
Unterleuten

Unterwerfung 

Ventoux
Verborgene Laster und andere
Geständnisse

Verschwiegene
Kanäle
Vollidiot

Wann wird es endlich wieder so
Weil ich von dir träumte
wie es nie war
Winterkartoffelknödel
 







Bryson, Bill
Berggruen, Heinz
Brumme, Christoph



Erat, Elena u. Materne, Peter


Durrell, Lawrence

Grönemeyer, Dietrich
Gottschalk, Thomas

Harrer, Heinrich 
Häusler, F. Richard

Iding, Doris

llies, Florian

Kerkeling, Hape
Klonvosky, Michael
Koldehoff, Stefan

Lorenzo, Giovanni di

Maso, Benjo




Penn, Robert
Plaum, Wätzold
Poser, Manfred

Rech, Kerstin
Reich-Ranicki, Marcel
Röhm, Uli



Scherer, Klaus
Schirrmacher, Frank
Schmidt, Helmut
Schmidt, Walter 
Sick, Bastian
Sieböck, Gregor
Steinbrück, Peer

Timm, Tobias

Voigt, Wilfried

Wickert, Ulrich
Winchester, Simon
 

111 Gründe, das Radfahren zu lieben

1913

Alles ist Yoga  
 Am Ende der Eiszeit

Das Methusalem-Komplott


Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge 2-
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge 3-
Der kleine Medicus
Der satirische Kreuzfahrt-Flüsterer
Der Weltenwanderer
Der Mann, der die Wörter liebte
Der Schweiß der Götter

Die Wiki-Revolution

Eine kurze Geschichte von fast allem

Falsche Bilder - Echtes Geld


Hauptweg und Nebenweg
Herbstblond

Ich bin dann mal weg
Ich lenke, also bin ich
In der Provence

Lebenswerte


Mein Leben (Reich-Ranicki)
Mein Leben (Harrer)

Praktische Personalführung 


Radfahren
Radsport furios
Radabenteuer Welt

Spektakuläre Kriminalfälle im Saarland

Tatort Autobahn

Verstehen Sie das, Herr Schmidt
Vom Glück auf zwei Rädern
Vom Glück Franzose zu sein


Zeit zu handeln
Zug um Zug



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Kristin Hannah 

Die Nachtigall

Erscheinungsdatum: Auflage: 4 am 19. September 2016   ;   Rezensionsdatum:  11.08.20
Verlag: Aufbau Digital; 

Format:  ;  ASIN B01CYE6RTC 
Seitenzahl der Printausgabe: 603 


Es geht in diesem packenden Roman der 1960 in Südkalifornien geborenen Autorin primär um das Schicksal zweier ungleicher Frauen, der Schwestern Vianne und Isabelle, während der Besatzung Frankreichs durch das deutsche Militär im 2. Weltkrieg. Sehr plastisch, ergreifend und fesselnd wird dem Leser vermittelt, welche ungeheuerlichen Belastungen für die einheimische Bevölkerung damit  einhergingen.  Häuserbeschlagnahmen, um deutsche Offiziere dort unterzubringen, Lebensmittelrationierungen und -bezugsscheine, Denunziationen, Kollaboration, Antisemitismus und Deportationen sind nur wenige Stichworte, hinter denen sich die Grausamkeiten, die man sich heute kaum noch vorstellen kann und vorstellen mag, gegenüber der einheimischen Bevölkerung verbergen und die Isabelle zu einer sehr mutigen Zugehörigen der Resistance machen. Andererseits wird hie und da auch deutlich, dass sich auch hinter Hitlers Soldaten grausame Schicksale verbargen.
Ebenso ist interessant und anmerkenswert, welche Rolle Charles de Gaulle damals spielte, wenn man berücksichtigt, dass er später gemeinsam mit Konrad Adenauer die deutsch-französische Freundschaft voran trieb. Auch wenn mit Isabelle und Vianne und mit deren Freundin Rachel die Schicksale dieser Frauen vorrangig das Geschehen prägen, so ist das Werk von Kristin Hannah, das zum Welterfolg wurde,  kein reiner Frauenroman.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung




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Wolfram Fleischhauer 

Die Frau mit den Regenhänden

Erscheinungsdatum:  01.01.1999 ;   Rezensionsdatum: 17.06.2020
Verlag:  Droemer-Knaur

Format: gebundenes Buch ; ISBN 978-3-426-19784-4
Seitenzahl:  489


Das Buch beginnt mit unterschiedlichen Handlungssträngen zu unterschiedlichen Zeiten. Zu nennen sind - in 1867 handelnd -  u.a. die Bergung der Leiche eines Kindes aus der Seine und die Vorbereitungen des Strafverteidigers Antoine Bertaut auf die Verhandlung vor den Geschworenengericht zum Einen und  - in 1992 spielend - die Szenen in der historischen Bibliothek in Paris, wo der Ich-Erzähler Bruno, ein deutscher Architekturstudent,  erstmals die ihn bezaubernde Gaetane sieht, zum Zweiten. Die Örtlichkeit (= Paris) bleibt im Folgenden konstant. Die Handlungsstränge wachsen erst sehr spät im Buch zusammen.

Wenn Bruno von seinen Recherchen über Napoleon III. in den Pariser Archiven berichtet, erhält der Leser einen ganz guten Nachhilfeunterricht in Geschichte. Anschaulicher als mein Geschichtsunterricht in der Schule. Jedoch: Selten liest man ein Buch mit im Folgenden so vielen unterschiedlichsten Szenen in unterschiedlichsten Milieus mit ständig neuen Facetten: Die Schilderung verschiedenster Kriege in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ausführlichen Darstellungen zu Kaiser Maximilian von Österreich, zugleich Kaiser von Mexiko, die Ausführungen über Malerei und deren Repräsentanten wie Magritte, Manet (man bekommt Lust das Gemälde der Erschießung des Kaisers in der Kunsthalle Mannheim mal wieder zu sehen), Gauguin, James Ensor u.v.a. Nebenhandlungsstränge mehr, fordern den Leser schon etwas.

Stets ist es die Frage, was die schöne junge Frau in der Bibliothek im Jahr 1992 mit der grauenvollen Tat in der Vergangenheit verbindet, die zum Weiterlesen animiert.
Aber: Es dauert lange, gar bis über Seite 330 hinaus, bis der Leser die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen in den 1860er Jahren und denen in den 1990er Jahren zunächst erahnt, dann erkennt, und bis sich das verbindende Element immer mehr herauskristallisiert.

Letztlich hat der Roman...

    mit all seinen Schilderungen über Geschichte, Architektur, Zeitgeist und Lebensumstände in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert etwas von einem Drama und Historienroman,

    mit dem Verbrechen im Hintergrund und den Ermittlungen hierzu etwas von einem Krimi,
  mit all den Nennungen der Stadtviertel, Straßen und Plätzen etwas von einem Paris-Reiseführer
 
mit seinen erotischen Szenen und den Gedanken Brunos über die lange rätselhaft bleibende Gaetane etwas von einem Liebesroman und,
   mit seinem Schluss gar etwas von einem Sachbuch in Angelegenheiten der Medizin u. der Virologie.
Und trotz all dieser Zutaten entstand daraus kein Eintopf, eher ein Sterne-Menue. Fazit: Ein ungewöhnliches, ein anspruchsvolles, ein sehr lesenswertes Buch.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung



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Tracey Chevalier 

Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Erscheinungsdatum: 05.08.2019  ;   Rezensionsdatum:  28.05.2020
Verlag: Atlantik

Format: Kindle  ;  ASIN B07W6Y3YV9
Seitenzahl der Printausgabe:  219 Seiten

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Griet, 17-jährige Tochter eines in Delft ansässigen Kachelmalers, muss in 1664 Geld zum Lebensunterhalt der 5-köpfigen Familie beisteuern; nicht zuletzt, weil ihr Vater infolge eines Unfalls erblindet ist und somit nicht mehr arbeiten kann. Sie kommt als Dienstmagd in den Haushalt des Kunstmalers Johannes (Jan) Vermeer, der mit seiner Frau Katharina, deren Mutter Maria Thins und einer Reihe von Kindern in einem anderen Stadtteil von Delft wohnt. Die ungewohnte Umgebung, die Eigenarten der Familienmitglieder und der anderen Dienstmagd dort, machen es Griet sehr schwer. Es entwickelt sich ein eigenartiges, dann spannendes, schließlich gar prickelndes Verhältnis zwischen Griet und dem Maler. Dieser ist gar nicht so wohlhabend, wie es zunächst den Anschein hat. Vielmehr ist er und seine Familie von einem einzelnen Mäzen abhängig, der wiederum mit Griet nicht die besten Absichten hat. Von der Dienstmagd wird Griet schleichend zur Gehilfin des Malers und schließlich zu seinem Model. Und zwar hinter dem Rücken der eifersüchtigen Ehefrau Katharina, aber mit Duldung, gar Förderung, durch deren Mutter, des Malers Schwiegermutter. Nachdem Katharina herausfand, dass Griet ihrem Mann Model sitzt und dabei gar noch ihre Perlenohrringe trägt, eskaliert die ohnehin spannungsgeladene Situation.
Der Film aus 2003, der möglicherweise bekannter ist als das Buch, weicht in seiner Handlung von diesem ihm zugrundeliegenden Roman kaum ab. So wie auch das hier zusätzlich eingefügte Foto von Scarlett Johansson kaum von dem Originalgemälde von Jan Vermeer abweicht. Sofern man erst nach dem Film zum Buch greift, hat man natürlich beim Lesen dessen Bilder und Szenen vor dem geistigen Auge. Das macht das Lesen plastischer, aber nicht weniger lohnend.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

    sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung



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Martin Suter

Der Koch

Erscheinungsdatum:  26.01.2010 ;   Rezensionsdatum: 30.04.2020 

Verlag: Diogenes ;  Seitenzahl : 320 Seiten

  ISBN-13: 978-3257239997

Der Roman ist das Produkt aus einerseits – wie sollte es anders sein – ganz viel Phantasie des Autors; und andererseits fundierter Recherche incl. profunder fachlicher Beratung.
Letzteres umfasst Themen wie die Kultur, Heimat und Geschichte der Tamilen, die Liberation Tigers of Tamil Eelam (kurz LTTE, auch Tamil Tigers genannt), die für die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordostens Sri Lankas kämpften; es geht  um die Distrikte Kilinochchi und Jaffna und um die Progrome von 1983 gegen die tamilische Minderheit und um die Rekrutierung von Kindersoldaten durch die Tamil Tigers, um nur einige Aspekte zu nennen.
Und es geht zunächst um die Atmosphäre und Hierarchie in einem Zürcher Sternerestaurant. Um die Hauptakteure Maravan und Andrea zwischen Chef de Cuisine, Sommeliers, Gardemanager, Annonceur u.a., die da hantieren mit Cloches, Rotationsverdampfer u.ä. und ihren Gästen marinierte Waldbeeren mit knusprigen Blätterteig-Arlettes als dreilagige Millefeuilles servieren.
Aber es geht auch viel um die Küche Maravans, um die ayurvedische Küche, um Molekularküche ja insbesondere gar um aphrodisische Küche. Die Handlung dreht sich um spezifische Essenszutaten wie Curryblätter, Kokosöl, Korianderschaum, Bockshornklee, Alginat, Xanthan und AgarAgar. Es werden Chapatis, Urd-Linsen-Cordons, gefrorene Safran-Mandel-Espumas, Churaa Varai, Niemblütenpachadi und – man lese und staune - gar Spargel-Ghee-Phallen sowie glasierte Kichererbsen-Ingwer-Pfeffer-Muschis zubereitet.
Nach flottem Start kommt es - spätestens im 3. Drittel des Buches – doch und trotz o.a. vielfältigen Aspekten zu Längen und der Leser braucht etwas Durchhaltevermögen.
Daran ändert auch nichts, dass Martin Suter seinen Roman neben o.a. würzigen Zutaten zusätzlich „anreichert“ mit so unterschiedlichen Beilagen und aktuellen Ereignissen wie die Finanzkrise 2008/2009, die Fußball-EM in der Schweiz 2008, dem Schweizer Bankgeheimnis, dem Atomprogramm des Iran, illegalen Waffenexporten, den Aktivitäten der o.a. Befreiungstigern LTTE und gar dem 15fachen Mord in Winnenden bei Stuttgart am 11. März 2009. Und – als hätte der Autor in 2010 die in 2020 aktuelle Corona-Pandemie vorausgesehen – findet auch noch die Schweinegrippe ihren Platz im Buch. Zu viel meinen Sie, geehrter Leser? Zu überladen und zu wild gemischt? Nun, da will der Rezensent nicht widersprechen. Denn es drängt sich in der Tat der Verdacht auf, dass Suter da noch viele Notizschnipsel auf seinem Schreibtisch hatte, die er unbedingt in das Geschehen noch „reinwurschteln“ wollte. Und dies steht letztlich einer besseren Bewertung im Wege.
Im Anhang des Buches sind die Rezepte der von Maravan zubereiteten Menüs enthalten.
Fazit und Vergleich mit den hier ebenfalls rezensierten Werken von Martin Suter: Der Koch ist besser als „Lila, Lila“ oder „Allmen und die Libellen“, hat aber bei Weitem nicht das Niveau von z.B. “Small World“, „Ein perfekter Freund“, „Der Teufel von Mailand“, „Die dunkle Seite des Mondes“ oder „Der letzte Weynfeldt“ und liegt damit im „Suterschen Gesamtwerk“ so mittendrin, in etwa gleichauf mit  „Die Zeit, die Zeit“. Von daher: ja, Lesen lohnt sich, aber es gibt Besseres, auch von Martin Suter.

meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

        sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung


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Martin Suter

Lila, Lila

Erscheinungsdatum: 10.11.2009  ;   Rezensionsdatum: 19.04.2020 

Verlag: diogenes ;  Seitenzahl : 352 Seiten

  ISBN-13: 978-3257234695

Zu Beginn des Buches wird der Leser mit mehreren Handlungssträngen und einer Vielzahl von Akteuren schon etwas gefordert: Das sind Peter Landwei und „seine“ Sophie im Roman von Alfred Duster - eine Geschichte in der Geschichte -  und da sind im Roman von Martin Suter insbesondere der antriebslose Kellner David Kern, seine Stammgäste und Kumpels, allen voran Ralph Grand, die Dekorateurin und zugleich Schülerin Marie Berger, ihre Männerbekanntschaften nicht abgeneigte Mutter Myrtha, die Verlagsmitarbeiterin Karin Kohler und es dauert etwas bis mit Jacky aus dem Männerheim der nächste Hauptakteur in Szene tritt.
David Kerns Geltungsbedürfnis und der Zufall, ein Romanmanuskript in einem antiken Möbelstück zu finden, führen dazu, dass David sich als Schriftsteller ausgibt und sich so erfolgreich für Marie interessant macht. Ab dann nehmen die Dinge ihren Lauf. David, dessen Verhalten man zunehmend weniger gutheißen kann, wird ein Star; er bleibt Hauptperson in der Story, wenngleich nicht mehr Hauptakteur des Geschehens, weil diese Rolle zunehmen von Jacky Stocker ausgeübt wird, was – ebenfalls zunehmend – zu Konflikten mit Marie führt.
Im Vergleich zu den hier ebenfalls rezensierten Büchern von Martin Suter „Der letzte Weynfeldt“, „Die dunkle Seite des Mondes", „Der Teufel von Mailand“, "Die Zeit, die Zeit" sowie „Allmen und die Libellen“ und „Small World“ nimmt „Lila, Lila“ nicht den Spitzenplatz ein. Grund hierfür ist zum einen, dass alles doch etwas zu vorhersehbar bleibt, also Überraschungen und Wendungen ausbleiben.  Zum anderen der Eindruck, dass Suter sich nicht so recht entscheiden konnte, ob er die Verlogenheit des Literaturgeschäfts aufzeigen oder eine traurige Liebesgeschichte erzählen möchte.

meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

        sehr lesenswert

lohnt sich

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Carsten Jensen

Rasmussens letzte Reise

Erscheinungsdatum:  26.07.2010 ;   Rezensionsdatum: 03.04.2020 

Verlag: Knaus ;  Seitenzahl : 488 Seiten

ISBN-10: 3813503313  ISBN-13: 978-3813503319

Es ist schon erstaunlich: liest man ein Buch nach vielen Jahren ein zweites Mal kann man durchaus zu einer anderen Einschätzung kommen als damals. Aber dazu später mehr. Zum Anfang des Romans wird etwas Kopenhagener Lokalkolorit vermittelt, z.B. wenn der Autor Carsten Jensen von der Havnegade und vom Kongens Nytorv schreibt. Ohne zu googlen und ohne Wikipedia kommt der Rezensent, den es noch nie nach Dänemark geführt hat, da nicht weiter.
Obendrein werden dann noch ein paar nautische, zumindest seemännische Kenntnisse gefordert, wenn „die Kvaesthusbro achteraus gleitet“. Der Landrattenrezensent kommt hier – natürlich auch wieder nur nach entsprechender Recherche - zu dem Schluss, dass ein Kai, ein Pier, eine Anlegestelle (?) im Hafen von Kopenhagen rückwärtig aus der Sicht gerät. (Verbesserungsvorschläge hierzu sind ausdrücklich gewünscht). Klüverbaum, Galeassen, Jollen und Bramsegel sowie Schanzkleid u.ä gehören natürlich auch zum kleinen Seemann-Einmaleins.
Hat man sich in diese Dinge eingedacht, ist man gerüstet für die 2. Grönlandreise des Jens Erik Carl Rasmussen. Er wurde 1841 in Dänemark geboren. Anl. dieser 2. Reise, die 23 Jahre nach seiner ersten stattfand, ist er am 1.10.1893 zwischen Orkney und Shetland im Atlantik ertrunken. Er – der somit nur 52 Jahre alt wurde - gilt als erster Künstler, der die Inuit-Kultur und das raue Wesen der grönländischen Natur in seinen Werken festhielt. Sein Talent als Maler - was ein wesentlicher Aspekt im Buch ist - hat er in sich und haben andere in ihm schon in seinem jugendlichen Alter erkannt. Im Buch spring die Handlung kapitelweise zwischen damals und heute, zwischen Jungend und Erwachsenenalter, zwischen der ersten Grönlandreise und der Jetzigen, hin und her. Im weiteren Verlauf gewinnt der Rückblick, gewinnen die Erinnerungen an Raum und noch später verschwimmt vieles. Dabei wird immer deutlicher, welch gequälter Geist in Carl steckt. Sein egozentrischer Charakter, sein Missmut und seine Selbstzweifel, sowie Enttäuschungen, Depression und Orientierungslosigkeit nagen an Carl und der Leser hat zunehmend weniger Sympathie und Verständnis für diesen Mann; so ging es jedenfalls mir beim Lesen. Gegen Schluss wird das Buch immer etwas surrealer; aber ein Roman über das Meer, über das Leben der Eskimos im Eis, mal ohne Dunkelheit mal ohne Licht, ist halt kein Sachbuch.
Zurück zu der Eingangsbemerkung: Als ich das Buch vor ca. 10 Jahren zum ersten Mal las,  wirkte alles - die Personen, die Landschaft, das Wetter, die Erlebnisse -  so traurig, so deprimierend und ich kam zu dem Schluss das Carsten Jensens Buch ein Buch ist, wie wohl die Palette des Malers ausgesehen haben mag: Umbrabraun, grau; kein Ultramarinblau, kein Karminrot! Mein Urteil fiel damals negativer aus als heute. Am besten gefiel mir noch die Passage – und das gilt auch noch heute so - als Carl Rasmussen einen französischen Maler mit dänischer Frau trifft. Unschwer ist dieser Franzose als Paul Gauguin zu erkennen, auch wenn Carsten Jensen diesen Namen nicht nennt. Und auch beim 2. Lesen komm ich zu dem Schluss: Hätt' ich die Wahl zwischen einem Gauguin oder einem Rasmussen an meiner Wohnzimmerwand, so wäre meine Wahl genauso eindeutig, wie die zwischen einem Aufenthalt auf Gauguins Tahiti oder Rasmussens Eiswüste auf Grönland. Auch könnte ich sich sagen: so eindeutig wie die zwischen dem lebensbejahendem Selbstbewusstsein a la Gauguin und der lebensverneinenden Selbstzerstörung Rasmussens.

Anmerkung: Wissen Sie was ein Qivitoq ist? Nein, dann lesen Sie „Rasmussens letzte Reise“, denn es lohnt sich schon. Brauchen Sie hingegen etwas was Geist und Gemüt erheitern soll, dann meiden Sie dieses Buch.
Abschließend möchte ich noch auf die gelungene Gestaltung des Umschlages hinweisen: Das Bild dieses bedrohlichen Meeres, das unter einem schwarzen Himmel auf einen schwarzen Strand trifft:  Wie das Bild, so die Stimmung im Buch.
 

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

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lohnt sich

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