|
|
Buchrezensionen
von ...
Eberhard Landes |
Meine ganz privaten
Literaturempfehlungen (Bücher, die ich einpacken werde,
wenn ich reif bin für die Insel) sind:
"Bildung" von Dietrich Schwanitz (weil ich mich wohl auch dann
noch wundern werde, was ich alles nicht weiß),
"Sturz
ins Leere" von Joe Simpson (weil es so unbegreiflich
ist, was Joe Simpson erlebt hat),
"Qi
Gong" von Kenneth Cohen (weil es so viele Geheimnisse
in sich birgt),
"Allein
auf den Everest" von Göran Kropp (weil er meine Hobbies Radfahren und Klettern
"brutalst möglich" kombiniert hat),
"Narziß und Goldmund" von
Hermann Hesse (weil es mir von allen Klassikern das liebste Buch ist).
Und dann natürlich all die guten Bücher, die ich hier rezensiert habe.
Klicken Sie unten entweder auf die verlinkten Namen der Autoren oder auf die Links zu den Buchtiteln:
|
|
Belletristik
|
|
Sachbücher
|
Liste der
119
Autoren
|
|
Liste der
165
Titel
|
|
Liste der
49
Autoren
|
|
Liste der
54
Titel
|
Alanyali, Iris
Aramburo, Fernando
Bambaren, Sergio
Bannalec, Jean-Luc
Benedikt, Caren
Bettinger, Martin
Beigbeder, Frederic
Binding, Tim
Bittrich, Dietmar
Blickensdörfer, Hans
Borger und Straub
Borrmann, Mechthild
Bourdouxhe, Madeleine
Breloer, Heinrich
Bryson, Bill
Brown, Dan
Buhl, Marc
Carofiglio, Gianrico
Chevalier, Tracy
Clark, Rosie M.
Coello, Paulo
Cross, Donna W.
de Carlo, Andrea
Dische, Irene
Donovan, Gerard
Döring, Oliver
Dörrie, Doris
Drokur, Bernhard
Dürrenmatt, Friedrich
Dusse, Karsten
Eggers, Dave
Evans, Nicholas
Eschbach, Andreas
Eyssen, Remy
Falk, Rita
Ferrera Catalina
Fitzek, Sebastian
Fleischhauer, Wolfram
French, Nicci
Fried, Amelie
Genzmer, Herbert
Goddard, Robert
Gruber, Lilli
Hannah, Kristin
Hammesfahr, Petra
Hasselmann, D.O.
Helfgen, Heinz
Henn, Carsten
Hermes, Gabriel
Hesse, Hermann
Heidenreich, Elke
Hillenbrand, Tom
Hoffman, Jilliane
Hosseini, Khalid
Houellebecq, Michel
Illies, Florian
Imbsweiler, Markus
Jaud, Tommy
Jensen, Carsten
Jonasson, Jonas
de Jong, Wilfried
Kalisa, Karin
Kehlmann, Daniel
Kling, Marc-Uwe
Klüpfel, Volker
Kloeble, Christopher
Klonovsky, Michael
Kobr, Michael
Krächan, Brigitte
Kuhn, Greta
Kuhlmann, Heinrich
Leon, Donna
Maccallini, Bruno
Mann, Thomas
Mankell, Henning
Mayle, Peter
McCreight, Kimberly
McFadden, Freida
Merburg, Marie
Mercier, Pascal
Metzenthin, Melanie
Meyerhoff, Joachim
Moore, Tim
Morgan, Marlo
Mosley, Walter
Münzer, Hanni
Noll, Ingrid
Rademacher, Cay
Rath, Hans
Read, Oliver
Rech, Kerstin
Rosendorfer, Herbert
Rossmann, Eva
Roth, Philipp
Safier, David
Schäfer, Andreas
Schätzing, Frank
Schauhoff, Frank
Schirrach, von, Ferdinand
Schlink, Bernhard
Schreiber, Claudia
Schröder, Bernd
Seltmann, Ingeborg
Speidel, Jutta
Suter, Martin
Tuma, Thomas
Twilfer, Kai
Vesper, Elke
Williams, John
Wagendorp, Bert
Wagner, Emma
Walser, Martin
Weiler, Jan
Wollitzer, Mag
Zafon, Carlos Ruiz
Zeh, Juli
Zweig, Stefan
|
|
Absterbende Gemütlichkeit
Achtsam Morden
Adler und Engel
Alle Toten fliegen hoch - Amerika
Allmen und die Libellen
Alpenpässe und Anchovis
Anleitung zum Unglücklichsein
Antonio im Wunderland
Auf der Suche nach Marie
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Belas Sünden
Beerholms Vorstellung
Bergsalz
Breaking News
Bretonische Geheimnisse
Cliffhanger
Cupido
Dampfnudelblues
Das Erbe
Das Gartenzimmer
Das Gesetz der Lagune
Das Grand Hotel
Das Jesus Video
Das Mädchen mit dem Perlenohrring
Das Museum der Welt
Das perfekte Spiel
Das Salzmädchen
Das selbstfahrende Bett
Das
sterbende Tier
Das weiße Segel
Das Wochenende
Der Alchimist
Der Buchspazierer
Der Circle
Der Dämon und Fräulein Prym
Der Geiger
Der Jogger
Der letzte Weynfeldt
Der Koch
Der moderne Mann
Der Pferdeflüsterer
Der Verdacht
Der Ramses-Code
Der Schwarm
Der Teufel von Mailand
Der weiße Schmetterling
Der Zauberberg
Die Analphabetin, die rechnen konnte
Die blaue Reise
Die dunkle Seite des Mondes
Die Ehefrau
Die Erfindung des Lächelns
Die große Umwendung
Die Frau mit den Regenhänden
Die Heimkehr
Die Höllenfahrt der Acheron
Die Liebhaber meiner Frau
Die Nachtigall
Die Päpstin
Die rote Antilope
Die schwedischen Gummistiefel
Die Therapie
Die Schachnovelle
Die Schatten der Toten
Die Stimmlosen
Die
Vermessung der Welt
Die Zeit, die Zeit
Drachenläufer
drei sieben fünf
Ein Liebhaber ungerader Zahlen
Ein Mann und sein Rad
Ein Strand für meine Träume
Ein perfekter Freund
Eine perfekte Ehe
Emmas
Glück
Encore Provence
Erntedank
Fatal Tango
Flugangst7A
Freudsche Verbrechen
Großmama packt aus
Heidelberg auf die kriminelle Tour
Heute keine Schüsse
Höhenangst
Honigtot
Horst allein zu Haus
Ich radle um die Welt
Ich trampe zum Nordpol
Illuminati
Im Gehege
Im Lautlosen
In meinem kleinen Land
Kalte Rache
Land der Wunder
Lautlos
Lea
Leere Herzen
Letzte Etappe Mont Ventoux
Liebesfluchten
Lila, Lila
Mallorca, ein Jahr
Mehr Zeit mit Horst
Mein Jahr in der Provence
Mieses Karma
Milchgeld
Millionär
Mit Horst im Glück
Mörderischer Mistral
Monolog in Schwarz
Müssen wir da auch noch hin?
Nachmittage
Nachtzug nach Lissabon
Narziß und Goldmund
Neujahr
Neununddreissigneunzig
Nullzeit
Patria
Picknick mit Bären
Qualityland
Rasmussens letzte Reise
Rauhnacht
Rechtspfleger Grothjahn
Reise in die Nacht
Resturlaub
Ruhm
Saarland Connection
Salz im Kaffee
Sankt Martin
Schafland
Schantall, tu ma die Omma winken
Schreckliche Maria
Selige Witwen
Seegrund
Small World
Solange es Schmetterlinge gibt
Spanische Delikatessen
Spiel des Engels
Stoner
Streifzüge durch das Abendland
The Housemaid
The Housemaids Secret
The Teacher
The Housemaid is watching you
Tödlicher Lavendel
Tod eines Kritikers
Traumreisende
Tyll
Überleben
Über Menschen
Und Gott sprach: Wir müssen reden
Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch
Und Gott sprach: Du musst mir helfen
Und was wird aus mir
Unterleuten
Unterwerfung
Ventoux
Verborgene Laster und
andere
Geständnisse
Verschwiegene Kanäle
Vollidiot
Wann wird es endlich wieder so
Weil ich von dir träumte
Wellenglitzern
Wenn der Wind dreht
wie es nie war
Winter in Maine
Winterkartoffelknödel
Wir haben gar kein Auto
|
... |
Bryson, Bill
Berggruen, Heinz
Brumme, Christoph
Erat, Elena u. Materne, Peter
Durrell, Lawrence
Grönemeyer, Dietrich
Gottschalk, Thomas
Gigerenzer, Gerd
Harrer, Heinrich
Häusler, F. Richard
Iding, Doris
llies, Florian
Kelle, Birgit
Keller, Kurt
Kemfert, Claudia
Kerkeling, Hape
Klonvosky, Michael
Koldehoff, Stefan
Lankers, Katharina
Lorenzo, Giovanni di
Magro, Jean-Marie
Martin, Guillaume
Maso, Benjo
Moshammer, Meike
Penn, Robert
Plaum, Wätzold
Plickert, Philip (Hrsg.)
Poser, Manfred
Precht, Richard-David
Prüter, Dirk
Rech, Kerstin
Reich-Ranicki, Marcel
Richards, Oly
Röhm, Uli
Scherer, Klaus
Schirrmacher, Frank
Schmidt, Helmut
Schmidt, Walter
Sick, Bastian
Sieböck, Gregor
Steinbrück, Peer
Timm, Tobias
Tschirnt, Christiane
Voigt, Wilfried
Wickert, Ulrich
Winchester, Simon
Yiwu, Liao
|
|
-
100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern
111 Gründe, das Radfahren zu lieben
1913
Alles ist Yoga
Am Ende der Eiszeit
Auszeit in Wanderstiefeln
Bis alles in Scherben fällt
Bücher, Alles was man lesen muss
Das Methusalem-Komplott
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge
2-
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge
3-
Der kleine Medicus
Der Mann, der die Wörter liebte
Der satirische Kreuzfahrt-Flüsterer
Der Schweiß der Götter
Der Weltenwanderer
Die Wiki-Revolution
Eine kurze Geschichte von
fast allem
Falsche Bilder - Echtes Geld
Gendergaga
Hauptweg und Nebenweg
Herbstblond
Herbstbunt
Ich bin dann mal weg
Ich lenke, also bin ich
In der Provence
Klick
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens
Lebenswerte
Liebe in Zeiten des Hasses
Mein Leben (Reich-Ranicki)
Mein Leben (Harrer)
Merkel
Praktische Personalführung
Radfahren
Radsport furios
Radabenteuer Welt
Radatouille
Schockwellen
Schritt für Schritt zur eigenen Mitte
Short Stories in English
Short Stories in English for Intermediate Readers
Sokrates auf dem Rennrad
Spektakuläre Kriminalfälle im Saarland
Tatort Autobahn
Urlaub mal anders
Verstehen Sie das, Herr Schmidt
Vom Glück auf zwei Rädern
Vom Glück Franzose zu sein
Wuhan
Zeit zu handeln
Zug um Zug
|

|
Jean-Marie Magro
Radatouille
Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 383 ; Erscheinungsdatum: 17.04.2025
ISBN13: 978-3-423-35249-9
Rezensionsdatum: 08.09.2025
Verlag: dtv |
|
Wenn man sich als Radsportfan dieses Buch kauft oder - wie
das bei mir der Fall war - dieses Buch geschenkt bekommt, mag man zunächst
deshalb etwas enttäuscht sein, weil es darin sehr viel um die Geschichte
Frankreichs, um die Kultur Frankreichs, die französischen Landschaften und in
hohem Maß auch um die französische Politik geht; und das Thema Radfahren dabei etwas
zu kurz kommt. Mit fortschreitender Lesedauer merkt man jedoch, wie interessant
auch die o.a. Themen abgehandelt werden und wie vielfältig das Buch dadurch
wird. Sei es die Beschreibung der Herstellung von Cognacs (97 % gehen ins
Ausland, über 165 Millionen Flaschen, Wert 3 Milliarden Euro, 60 000
Arbeitsplätze) oder sei es die Liebe der Franzosen zu BDs (Comiczeichnungen)
oder sei es das Abwandern der Industrie, besonders der Automobilhersteller
(2005 wurden noch 3,5 Millionen neue Autos in Frankreich gebaut, 2025 nur noch
rd. 1 Million), um nur 3 von vielen Beispielen zu nennen.
Der Autor schreibt auch viel und stimmungsvoll über sich,
über seine Kindheit und seine Familie und deren Traditionen.
Beim Lesen wird der Wunsch nach einer illustrierten Version
des Textes größer. Einen Schritt dahin haben der Autor und der Verlag mit den
Bildern auf den Innenseiten des Covers gemacht. Eine Landkarte mit all den
vielen Orten, Regionen und Departements wäre eine sinnvolle Ergänzung.
Dass der Autor kein wirklich umfänglich kenntnisreicher
Rennradfahrer ist, wird deutlich, wenn er immer mal wieder übers
Zwicken in den
Waden klagt und mehr noch, wenn er sich auf Seite 200 darüber
freut, dass
man sein Rennrad mit einem Hochdruckreiniger (!) säubert.
Das meiner Meinung nach Highlight schlechthin, wenn es ums
Radfahren in Frankreich geht, der 1909 m hohe Gigant der Provence, der Mont
Ventoux, den hat sich der Autor für seine letzte, für die 21. Etappe,
aufgehoben. Was er dort schreibt, stimmt mich - trotz meiner o.a. Kritikpunkte
- versöhnlich mit ihm und seinem Werk.
Zuweilen erinnerte mich dieses Buch an das von mir ebenfalls
rezensierte Buch „Sokrates auf dem Rennrad“ von Guillaume Martin. Wenngleich ich sagen muss „Wenn Lesen bildet,
so tut das Lesen dieses Buches dies in höherem Maße“. Und dennoch: An das Werk
von Benjo Maso "Der Schweiß der Götter" oder an "Ein Mann und
sein Rad" von Wilfried de Jong oder an Michael Klonovskys Buch "Radfahren" reicht „Radatouille“ von Jean-Marie Magro
nicht heran.
|
| ein Muss |
sehr lesenswert |
lohnt sich
(weil es mehr ist als ein Buch übers Radfahren)
|
es gibt Besseres
(für alle die Radfahr-Literatur bevorzugen)
|
Zeitverschwendung |
|
|
|
|
|
|

|
Hans Blickensdörfer
Salz im Kaffee
Format: Gebundenes Buch ; Seitenzahl: 383 ; Erscheinungsdatum: 1.1.1980
ISBN13: 978-3795105778
Rezensionsdatum: 31.7.25
Verlag: Schneekluth |
Sehr
bildhaft und eindrucksvoll beschreibt der (leider bereits 1997
verstorbene) Autor die Szenen rund um die Tour de France: Die
Streckenführung, die Tricks und Taktiken der Teams, die
Rollenverteilungen und Hierarchien innerhalb dieser, die Landschaften,
die vielen Leute drumherum, das unvermeidbare Thema Doping, die Grenzen
der körperlichen Leistungskraft, der Ruhm, der dem Etappensieger
insbesondere auf dem Mont Ventoux und natürlich dem Gesamtsieger
der Tour gebührt. All das spielt eine Rolle in diesem Buch und
wird vom Autor sehr gut verpackt und eindrucksvoll dargestellt.
Im Mittelpunkt steht der deutsche Fahrer Ernst Budzinsky, genannt Bud.
Weitere Hauptakteure in Hans Blickensdörfers 1980 erschienenem
Buch sind u.a. der Journalist Max Kollmann, zugleich so etwa wie Buds
väterlicher Freund, dann Buds Arzt Dr. Lindner (und dessen Frau
Kaj) und Buds Hauptkonkurrent, der Italiener Antonelli sowie der Chef
des Teams, für das Bud fährt, der raubeinige Mercier.
Die zuweilen etwas antiquiert anmutenden Sätze sind der Tatsache
geschuldet, dass das Buch vor 45 Jahren geschrieben wurde und sie
trüben allenfalls gelegentlich den Lesegenuss, weil dann doch zur
sehr aus der Zeit gefallen. So z.B. auf S. 254 oben: „Federleicht
wurde ihm die Atmung, und wie ein warmer Rückenwind umschmeichelte
ihn die sich vom bewundernden Raunen zum Beifallsorkan steigernde
Begeisterung des Publikums“. Das ist etwas too much“ und
mag kurzzeitig die Lesefreude trüben.
Kleinen Punktabzug gibt es meinerseits noch, weil ich auf die Sexszene
mit der Frau des sich treu und pflichtbewusst um Bud kümmernden
Arztes Dr. Linder gerne verzichtet hätte. Aber damit genug der
negativen Bewertung; von allem Anderen bin ich total begeistert.
Ab ca. Seite 280 Kap. 13 ändert sich die Szenerie. Es ist nun
nicht mehr Frankreich, die Tour de France, der Ventoux, der Tourmalet
usw., die im Mittelpunkt stehen, sondern es sind die zur Zeit der
Entstehung des Buches noch so beliebten 6 Tage-Rennen. In Hallen, u.a.
in Dortmund, im endlosen im Kreis Fahren, in schrecklicher Luft und es
ist die Hochzeit des Dopings. Und alles was Kollmann an dieser
Entwicklung, an diesem Szenario so kritikwürdig findet und was er
an negativen Auswirkungen für Bud befürchtet, was dazu
führt, dass sein Kaffee salzig schmeckt (!), wird sich
bewahrheiten.
Insgesamt gesehen, lautet mein Urteil: Ein phantastisches Buch!
Besonders für Radsportfreunde und noch begeisternder zu Lesen
für alle Radfahrer, die den Mont Ventoux bezwungen haben.
Dieses Buch zu lesen, das ruft bei diesem Personenkreis so viele
Eindrücke in Erinnerung, dass man ganz begeistert ist. Für
Leser, die dem Radsport nicht so verhaftet sind und mit der Tour nichts
Anderes als Doping assoziieren, wird dennoch auch genug Lesenswertes
geboten.
Fazit: meine Bewertung muss somit 2-geteilt ausfallen: für
Radsportfans, für Rennradfahrer, für Freunde der Tour de
France ein absolutes Muss; für alle anderen gilt, dass sie dem
Buch wohl eher weniger abgewinnen können. |
Für Radsportfans, für Rennradfahrer,
für Freunde der Tour de France
ein Muss |
sehr lesenswert |
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung |
|
|
|
|
|
|

|
Jutta Speidel und Bruno Maccallini
Wir haben gar kein Auto... Mit dem Rad über die Alpen
Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 256 ; Erscheinungsdatum: 14.10.2009
Rezensionsdatum: 6.7.2025
Verlag: ullstein |
|
Unterhaltsame
leichte und insbesondere für jeden, der die
Tour von München nach Meran mal nachfahren will zudem informative
Lektüre. Ist man selbst begeisterter Radfahrer und hat man schon
mal eine
Alpenüberquerung mit dem Rad gemacht findet man sich an vielen
Stellen des
Buches wieder und Erinnerungen an Orte und Gegebenheiten werden wach.
Gelungenes stilistisches Moment: Die beiden Autoren wechseln sich beim Erzählen ihrer Erlebnisse ab;
wobei jeder dieselbe Etappe aus seiner Sicht beschreibt. Oft eine männliche Sichtweise
hier und eine weibliche da. Mit erstaunlich unterschiedlichen Bewertungen
derselben Geschehnisse. Jutta ist dabei eindeutig die bessere Erzählerin. Nicht
nur wenn sie freimütig ihre Wehwehchen und das Altern beschreibt. Bruno
hingegen „ist stets bemüht“, ebenfalls witzig rüber zu kommen.
Stellenweise wirkt der 2009 entstandene Text zu der 2008
gemachten Tour erstaunlich antiquiert, z.B. wenn die richtige Route per
ausgefalteter Landkarte gesucht wird, statt GoogleMaps oder Garmin oder Komoot
zu bemühen oder wenn Postkarten geschrieben werden statt WhatsApps zu versenden,
vom Kodakfilm ganz zu schweigen. Aber dafür, dass der Rezensent erst in 2025 zu
diesem Buch gegriffen hat, kann das Autorenpaar nun wirklich nichts.
Zwischen den Beiden kriselt es immer mal wieder etwas. Harmonisch
geht’s eher selten zu. Bahnt sich da was an – im negativen Sinn? Auch wenn es
ganz und gar nicht Aufgabe eines Rezensenten ist, die private Beziehung der
Beiden zu beurteilen, wird irgendwie klar, dass die vielen Kappeleien und
Meinungsverschiedenheiten wohl bald zur Trennung der Beiden führen werden. So vier
Jahre später geschehen (Quelle: Wikipedia). Das Buch wurde übrigens im Jahr 2012 verfilmt.
|
| ein Muss |
sehr lesenswert |
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung |
|
|
|
|
|

|
Gabriel Hermes
Schafland
Format: Gebundenes Buch ; Seitenzahl: 354 ; Erscheinungsdatum: 11.2019
Rezensionsdatum: 21.2.2025 ;
Verlag: ohne, d.h. Selfpublishing |
|
Entdeckt man in einem
Büchertauschschrank ein offenbar belletristisches Buch (ein Regionalkrimi),
dessen Titelseite eine Abbildung des Rathauses der eigenen Heimatstadt präsentiert,
so greift man zu. So ging es mir jedenfalls mit „Schafland“ von Gabriel Hermes.
Wer sich hinter diesem Synonym verbirgt, hat man auch schnell gegoogelt. Ein Lokalpolitiker und Mitglied
des Stadtrates schreibt also unter dem o.a. Synonym Gabriel Hermes einen
Lokalkrimi, der für Bewohner des betr. Bundeslandes (Schafland = Saarland) und
speziell der Kreisstadt Homburg im Saar-Pfalz-Kreis sehr unterhaltsam und lesenswert
ist-
Die Story rankt sich rund um
reale Gegebenheiten und Personen und der kundige Leser kann nicht nur die
„verballhornten“ Namen des Bundeslandes und der Städte, sondern auch nahezu jeden
der handelnden Akteuren den real existierenden Personen zuordnen. Bewohner der restlichen Bundesländer und
Städte können dies vermutlich weniger, weil viele Andeutungen über
Geschehnisse, Verstrickungen und Skandale sowie die abgewandelten Ortsnamen diesen
sehr wahrscheinlich weniger bekannt und verständlich sind. Plastisch beschreibt der Autor
die Zustände im Schafland und speziell in Homburg und prangert sie an. Es geht
um Korruption, Vorteilsnahme, Ämterpatronage u.ä. Kenntnisreich wettert er gegen
Filz in der Kommunalpolitik und der kundige „schafländische“ Leser hat Spaß
dabei. Das Buch hat meinen Eindruck
davon, wie schmutzig Politik, speziell kommunale Politik, sein kann, bestärkt.
Es wundert, dass der Autor trotzdem dort aktiv ist und mitwirkt. Fazit: Für Bewohner des betr. Städtchens
im Bundesland Schafland sehr lesenswert; für die allermeisten Bewohner anderer
Bundesländer eher weniger, da weniger nachvollziehbar. Möglicherweise ist Letzteres auch Grund dafür,
dass der Autor das Buch im ohne Verlag veröffentlich hat bzw. veröffentlichen musste.
|
| ein Muss |
sehr lesenswert |
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung |
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]

|
Nicholas Evans
Der Pferdeflüsterer
Format: Gebundenes Buch ; Seitenzahl: 407 ; Erscheinungsdatum: 1.1.1995
Rezensionsdatum: 31.01.2025 ;
Verlag: C. Bertelsmann |
|
Ich hatte Lust, mich mal wieder diesem
30 Jahre alten Klassikers des vor 3 Jahren im Alter von 72 Jahren verstorbenen
Autors Nicolas Evans zu widmen.
Er beginnt mit
der Geschichte von Grace und ihrer Freundin, zwei junge Mädchen, die Beide
begeisterte Reiterinnen sind. Bei einem Ausritt der Beiden kommt es zu einem
schrecklichen Unfall. Auf schneeglattem Untergrund rutschen die Pferde der zwei
Mädchen einen Hang hinab, wo Tiere und Reiterinnen von einem tonnenschweren LKW
erfasst werden. Grace´ Freundin und ihr Pferd sterben; Grace und ihr Pferd
Pilgrim erleiden schlimme Verletzungen. Grace` rechtes Bein muss amputiert
werden und Pilgrim ist nach dem Unfall völlig verstört und aggressiv. Doch
Grace` Mutter Annie, eine Top-Journalistin und zugleich Workaholic, verfolgt
hartnäckig und gegen viele Widerstände einen Weg, der das Pferd wieder gesund
werden lässt, ihrer Tochter wieder Lebensfreude und ihr selbst eine romantische
Liebesbeziehung beschert, die jedoch ein tragisches Ende nimmt.
Man erkennt, dass der 1995
erschienene und mit Robert Redford verfilmte Klassiker etwas in die Jahre
gekommen ist. Z.B. wenn man Formulierungen liest wie "Ich bin über Modem
und Fax erreichbar" oder wenn Ronald Reagan als Präsident der USA erwähnt
wird. Das schmälert jedoch nicht den Lesegenuss. Anders verhält es sich ein
Stück weit damit, dass das Buch einen recht langen Anlauf nimmt, der den Leser
dazu zwingt, sich die Namen, Rollen und Eigenschaften zahlreicher Akteure, die
recht ausführlich beschrieben werden, zu merken; und dies schon lange bevor der
spätere Hauptakteur, der Pferdeflüsterer Tom Booker, auf Seite 108 erstmals
genannt wird.
Einer höheren Bewertung als die
von mir hier gewählte steht zudem der Schreibstil entgegen. Hierzu drei Beispiele: Nicholas Evans
schreibt nicht „Am Himmel flogen zwei Schwäne“; er schreibt: „Nur einmal als
ein Schwanenpaar über ihren Köpfen dahinflog, geriet ihr Gesprächs ins Stocken.
Sie sahen den Abglanz der Sonne auf den schneeweißen Hälsen, die sich den
Bergen entgegenreckten und hörten auf das Klagen ihres Flügelschlages, der sich
in der Stille des Abends verlor (S. 339). Nicholas Evans schreibt nicht „Die
Sonne ging unter.“ Er schreibt: „Die Sonne ging unter und zwischen den Silhouetten
der Bäume sah Annie wie sich die rosafarbenenn, roten und goldenen Töne des
abendlichen Himmels in der wie geschmolzen wirkenden Oberfläche des Flusses
spiegelten (S. 341). Nicholas Evans schreibt nicht „Sie
hatten Sex“. Er schreibt: „In jener Nacht strahlte das Nordlicht grün, blau
und rot. Es wand sich in einem riesigen Leuchtbogen über den Himmel und zog
vielfach gebrochene Farbstreifen hinter sich her, deren fächerförmigen Abglanz Tom
in ihren Augen sah, als sie sich liebten (Seite 364).
Man könnte es als „sehr
umfänglich beschreibend“ bewerten; man könnte auch die ausgeklügelte Wortwahl loben.
Man könnte diese Passagen aber auch als „ausufernde Schwurbeleierei“ abwerten.
Dennoch ist das Buch „lesenswert“
und macht Lust, sich die Verfilmung von und mit Robert Redford anzuschauen.
|
| ein Muss |
sehr lesenswert |
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung |
|
|
|
|
|

|
Karin Kalisa
Bergsalz
Format: Gebundenes Buch ; Seitenzahl: 210 ; Erscheinungsdatum: 2.11.2020 ; Rezensionsdatum: 27.12.2024 ;
Verlag: Droemer HC; ISBN 13: 978-3-426-28208-3 |
|
Das
gelungene Cover macht Lust, das Buch zu lesen. Die ersten Seiten
muten dann aber bereits etwas seltsam an. Das Seltsame steigert sich
ins Mystische, was u.a durch Kapitelüberschriften wie
"aynödine" (steht für Einöde) gefördert wird.
Andererseits hat das Buch von Beginn an auch recht unterhaltsame
Seiten. Hierzu zählt die Geschichte der
lange Zeit in einem Dorf im Allgäu allein lebenden älteren
Frauen, die eher zufällig wieder zueinander finden und - statt
weiterhin einsam vor sich hin zu leben - das neue Miteinander
genießen. Ihr Kreis wird
größer beim gemeinsamen Kochen und Essen und daraus
resultiert die Idee, das seit sehr langer Zeit geschlossene Gasthaus
des Örtchens, das Rössl, wieder mit Leben zu füllen.
Eine der Ersten, die sich den einheimischen Frauen und dieser
Graswurzelbewegung anschließt ist Esma. Sie, eine syrische Drusin,
ist eine der
Flüchtlinge, die die Gemeinde in dem aufgegebenen Gasthaus
einquartiert hat. Mit Sabina, erst Mitte zwanzig und lang mit
Ärzte ohne Grenzen im nahen Osten unterwegs, kommt noch ein ganz
anderer Charakter daher. Die Frauen leben auf mit der Wiederbelebung
des Rössl und ihrem neuen Lebensinhalt. Mehr noch: das gesamt Dorf
erwacht. Die Autorin schiebt im weiteren Verlauf weitere
Kapitel in der oben bereits erwähnten, seltsam anmutenden,
altertümlichen Sprache ein, deren Sinn sich dem Leser
zunächst nicht erschließt. Es handelt sich bei dieser
Sprache und Schrift um
Mittelhochdeutsch und langsam schält sich ein Zusammenhang
dieser Kapitel mit den Bauernkriegen (1524-1526) und der im Jahr
1517 niedergeschlagenen Buntschuhbewegung heraus. Die
Idee der Autorin, diese Textpassagen einzuschieben, war mutig;
stellen sich doch durchaus einige Anforderungen an den Leser, den
Kontext zu verstehen. Das
sollte jeder wissen, der zu diesem Buch greift .
Letztendlich mag ich
mich ausnahmsweise nicht eindeutig für eine meiner 5-stufigen
Bewertungsskala entscheiden. Ich komme daher zu dem Schluss "es gibt
Besseres" (für Otto Normalleser) bzw. "lohnt sich" (für
"Freunde des Mystischen)".
|
| ein Muss |
sehr lesenswert |
lohnt sich
(für Freunde des Mystischen) |
es gibt Besseres
(für Otto Normalleser) |
Zeitverschwendung |
|
|
|
|
|

|
Marcus Imbsweiler
Heidelberg auf die kriminelle Tour
Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: ; Erscheinungsdatum: 3.2.2014 ; Rezensionsdatum: 12.2024 ;
Verlag: Wellhöfer; ISBN 13: 978-3954281435 |
|
Wenn einem in
Saarbrücken geborenen und im Saarland aufgewachsenen Rezensenten,
der oft in Heidelberg ist, das Buch eines in Saarbrücken geborenen
und im Saarland aufgewachsenen
Autors, der in Heidelberg lebt, in die Hände fällt, macht das
natürlich neugiering. Und für den Autor geht ein Startvorteil
bei der anschließenden
Bewertung gleich mit einher. So ist nach der Lektüre
positiv zu vermerken, dass einige der 20 Kurzgeschichten durchaus
abwechslungsreich und
amüsant sind. Zum Beispiel die Geschichte über die
Ärzte, die zusammen ein merkwürdiges Fischmenue ("Fugu")
essen. Auch "Jellineks Milch" hat gefallen. Weniger in Richtung
"Daumen hoch" und Grund
dafür, dass ich in meiner u.a. Skala keine Bewertung weiter links
in der Tabelle vorsehe, ist, dass die Geschichten zum Teil sehr
schräg, sehr abstruss, sozusagen an den
Haaren herbeigezogen sind. Insbesondere die beiden
Kurzgeschichten Rambo 1 und Rambo 2 konnten nicht zusagen.
Außerdem ist der Bezug zu Heidelberg (siehe Buchtitel) oft kaum
oder nicht erkennbar oder er kommt nur dadurch zum Ausdruck, dass sich
der Lokalkolorit auf die Nennung einiger Ortsnamen der Region
beschränkt ( z.B. Handschuhsheim, Plankstadt, Gauangelloch,
Neuenheim in "Das große Maklersterben".) Fazit und um auf
o.a. Eingangsbemerkung zurück zu kommen: Die Beiden passen wohl doch nur bedingt zusammen.
|
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]

|
Thomas Gottschalk
Herbstbunt
Herausgeber: Heyne ; Seitenzahl : 272
Format: Gebundenes Buch ; Erscheinungsdatum: 9.5.22 ; Rezensionsdatum: .12.24 ; ISBN: 978-3453606265
|
Die Tatsache, dass schon wieder einige Zeit vergangen ist, seit ich "Herbstblond"
von Thomas Gottschalk gelesen und hier rezensiert hatte, animierte
mich zum Kauf von Herbstbunt.
Wie schon in Herbstblond
schreibt Thomas Gottschalk auch in Herbstbunt, so wie er auch quasselt
(und das ist jetzt nicht unbedingt negativ gemeint). Man könnte es
auch positver, höflicher ausdrücken, indem man sagt, macht er
auch in diesem Folgeband aus seinem Herzen keine Mördergrube,
sondern gibt sehr Vieles, sehr Privates von sich in erzählerischer
Manier frei.
So wie in Herbstblond der tragische Unfall
des Samuel Koch
eine große Rolle spielt, so sind es in Herbstbunt die totale
Zerstörung
seines Hauses in Malibu (eine umgebaute Mühle in der u.a. eine
Handschrift des von Thomas Gottschalk verehrten Rainer Maria Rilke
vollständig verbrannte) und die Trennung von seiner
langjährigen Frau
Thea. Dass diese kommen wird, wird auch daran deutlich, dass er
das Kapitel über den Brand des Haus damit enden lässt, dass
zwar der Betrag, den die Feuerversicherung ihm auszahlte
erklecklich gewesen sei, ihm aber seine Rilke-Handschrift
nicht zurückbringen könne und seiner Frau nicht ihre
Hüte, wobei es ihm um den
Rilke wirklich leid tue (Umkehrschluss!). Man hört sich beim
Lesen "Aha"
sagen.
Treu bleibt sich Thomas Gottschalk auch darin, dass - wie in Herbstblond - auch in Herbstbunt jedes Kapitel mit einem stets passenden Songtext
aus seiner Jugendzeit - die auch meine war - überschrieben ist. So
geht es etwa in "Hungry like a wolf" von Duran-Duran um Ernährung und so findet man im Kapitel "My Generation"
von The Who Aussagen wie die,
dass der ältere heterosexuelle weiße Mann (eine Spezie, der
sich der Autor in gleicher Weise zuordnet wie der Rezensent)
mittlerweile das einzige lebende Wesen ist, das keinerlei Artenschutz
für sich reklamieren kann.
Über Vieles, dass er (lapidar) über seine Jugend schreibt, könnte auch jeder Leser
dieser Rezension von seiner eigenen Jugend schreiben; aber welcher
Verlag würde das drucken? Hier greift natürlich der Promi-Bonus. Er
versteht es mit Belanglosikeiten die Seiten zu füllen. Entscheiden Sie
als Leser dieser Rezensenion, ob das was Gutes oder was Schlechtes ist.
Mein Fazit:
"Ungefiltert", der 3. Band des Entertainers, steht nicht ganz oben auf meiner Liste |
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|

|
Melanie Metzenthin
Die Stimmlosen
Herausgeber: Tinte und Feder ; Seitenzahl : 572
Format: Taschenbuch ; Erscheinungsdatum: Juli 2018 ; Rezensionsdatum: 31.08.24 ; ISBN 13: 978-2-919-80134-3
|
|
Animiert durch "Im Lautlosen"
von Melanie Metzenthin griff ich zu diesem ihrem Werk und wurde - um es
vorweg zu nehmen - enttäuscht. Wenn ich auf den ersten
Seiten eines Buches mit der Nennung von Personen und deren Namen
derart "zugedröhnt" werde, wie in diesem Buch, dann .... ja dann
ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass ich dieses Buch
nicht zu Ende lesen werde. Das ist insbesondere deshalb schade, weil
ich nach im "Im Lautlosen" mehr erwartet hatte. Um einen etwas
holprigen Vergleich zu ziehen: Wie konnte Karl May (für den die Autorin angeblich eine Vorliebe hat) mit 2 Personen, Old
Shatterhand und Winnetou ( OK, zugestanden da war noch Winnetous
hübsche Schwester) spannende Geschichten schreiben, wenn Melanie
Metzenthin dazu eine solche Armada an Akteuren braucht? Nein, wenn man
sich - gottlob auch ohne an Alzheimer erkrankt zu sein - Notizen machen
muss, wer wer ist, um die Handlung nachvollziehen zu können, dann
ist es einfach ein Buch, das es m.E. verdient hat, mit "es gibt
Besseres" bewertet zu werden. Es ist ganz selten, dass ich ein
angefangenes Buch nicht zu Ende lese; dieses hier ist leider ein
solches. Ab in den Büchertauschschrank um die Ecke damit.
Möge jemand Anderes das völlig anders bewerten als ich und
damit seine Freude haben.
Fazit: Wenn Sie, liebe Leser dieser Rezension, ein gutes Werk dieser Autorin lesen wollen, dann lesen Sie ihr hier ebenfalls rezensiertes Werk "Im Lautlosen" .
Und: Ja es ist dies eine Wutrezension, Frau Metzenthin. Mögen Sie
mit Ihrer Ausbildung und Erfahrung Ihre Schlüsse daraus ziehen.
|
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|

|
Freida McFadden
The Housemaid is watching (Band 3 der Reihe)
Sprache: Englisch ; Herausgeber: bookouture ; Seitenzahl der Printausgabe: 402
Format: eBook ; Erscheinungsdatum: 11.06.24 ; Rezensionsdatum: 29.08.24 ; ASIN: BOCK4YL5FM
|
 |
|
Freida McFadden startet im Prolog mit
einem
Paukenschlag. Sodann aber, nach der Überleitung bzw. dem
Rückblick
auf 3 Monate zuvor,
lässt sie sich viel Zeit - um nicht zu sagen, raubt sie dem Leser
viel Zeit -
mit der Schilderung vieler Details über Enzo, mit dem Millie
mittlerweile
verheiratet ist und 2 Kinder hat und über das neu erworbenen
Haus, bevor
es dann wieder richtig spannend wird. Und nicht nur
weil
Millie die Nachbarin Suzette verdächtigt, mit Enzo anbinden zu
wollen.
Hätte ich das Buch nicht in englischer, sondern in deutscher
Sprache
gelesen, wäre es mir sicherlich als langweilig
vorgekommen. Aber im weiteren Verlauf überschlagen sich die
Ereignisse wieder, ganz so wie man es von der Autorin gewohnt ist.
Fazit: Dieser Band 3 der Reihe hat nicht die Klasse von„ The Housemaid“ (Band 1 der entsprechenden Reihe von Freida
McFadden) und von "The Housemaids Secret" (Band 2), weshalb man sich im Zweifelfall mit diesen beiden vorausgegangenen Büchern - oder besser noch mit "The Teacher" beschäftigen sollte. Daher lautet meine Bewertung "Es gibt Besseres" (und zwar von Freida McFadden).
|
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
(insbes. von Freida McFadden)
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Greta R. Kuhn
Saarland Connection
Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: ; Erscheinungsdatum: ; Rezensionsdatum: 28.06.2024 ;
Verlag: Gmeiner ; ISBN: 978-3-8392-0072 8 |
|
Bei „Saarland Connection“ handelt es sich um das dritte Buch
der Autorin. Es ist nicht zwingend, die Bände 1 „Saarperlen“ und 2 „Goldene
Bremm“ zuvor gelesen zu haben; aber wie so oft bei solchen Buchreihen: besser
ist es schon, die Reihenfolge einzuhalten.
„Saarland Connection“ bietet viel Lokalkolorit, weshalb
Saarländer (wie der Rezensent einer ist) mehr Spaß beim Lesen haben dürften,
als z.B. ein Norddeutscher oder ein Bayer.
Für Lesefreude bei Saarländern sorgen die häufigen Bezüge zu
Örtlichkeiten oder Gegebenheiten des Landes: Seien es Ortsnamen, Stadtteile (
z.B. St. Arnual) oder Nennungen wie „Am Staden“, „Autobahnparkplatz Nähe
Homburg“, „Alte Schmelz in St. Ingbert“ und „Der Umbau des Gesundheitsamtes zur
THW“ lassen das Herz von Leuten, die wissen, dass „Die Garage“ in Saarbrücken. kein Ort
ist, um sein Auto unterzustellen, höherschlagen. Im Mittelpunkt all dessen steht das „Weltkulturerbe
Völklinger Hütte“ (für Nicht-Saarländer: eine Industriebrache, die gekonnt zu
einer weit anerkannten und geschätzten Kultur- und Begegnungsstätte transformiert
wurde) und welches in diesem Buch zum Schauplatz eines sehr außergewöhnlich in
Szene gesetzten Mordes wird.
Auch ganz gekonnt lässt die Autorin beim neuen Pavillon des
Saarlandmuseum (Moderne Galerie) Parallelen zu „BER“ und „Stuttgart 21“ einfließen.
Wenngleich die Summen nicht vergleichbar sein dürften, so denn doch die
Ursachen der Kostenexplosionen.
Das Buch erzählt die Geschichte der Hauptkommissarin
Veronika Hart und zahlreicher weiterer Akteure. Wobei die Betonung auf
„zahlreiche“ liegt. Dies erfordert zuweilen schon etwas mehr Konzentration und Erinnerungsvermögen
beim Lesen. Zugleich erweitert es natürlich den Kreis derjenigen, die als
Mörder in Frage kommen. Zwischen vielen dieser Akteure bestehen Beziehungen; man
kennt sich, man ist auf die ein oder andere Weise miteinander verbandelt. Ein Gestrüpp
aus Politik, Bauunternehmer, öffentlicher Verwaltung u.a.m. Eben
Saarland-Connection.
Allmählich schließt sich der Kreis und werden die Motive des
Mörders immer deutlicher. Insbesondere weil er nunmehr in Textpassagen zum
Erzähler wird. Dabei arbeitet die Autorin mit häufigen Wechseln zwischen dem
Bemühen der Polizei um Aufklärung einerseits und Tätigkeiten und Gedanken des
Mörders andererseits.
Fazit: ein Regionalkrimi, den zu lesen, sich lohnt.
|
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
(insbes. für Saarländer)
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Tom Hillenbrand
Die Erfindung des Lächelns
Format: Gebundenes Buch ; Seitenzahl: 512 ; Erscheinungsdatum: 7.09.2023 ; Rezensionsdatum: 14.6.2024 ;
Verlag: Kiepenheuer u. Witsch ; ISBN: 978 -3462003284
|
Es
geht in diesem Roman um den Diebstahl des weltberühmten
Gemäldes von Leonarda da Vinci, der Mona Lisa oder wie sie in
Frankreich heißt: La Joconde. Im Sommer 1911 verschwand das Bild
aus dem Louvre. Um es ausnahmsweise vorweg zu nehmen:
Leider erfüllt dieses Buch in keinster Weise, die Erwartungen, die
durch das Cover des Verlages (Lob an Barbara Thoben, Köln) geweckt
werden und nicht zuletzt wegen dieses Covers hatte ich mich so auf
das Lesen dieses Buches gefreut. Diese Montmartre-Stimmung, diese
vom Impressionismus und aufkommenden Kubismus geprägte
Atmosphäre! Nur hie und da blitzt im Text ein klein Wenig davon
was auf. Die Malerei spielt im Buch eine viel geringere Rolle als
das Cover erwarten lässt.
Zahlreiche Namen (Die Jules, Juhels und Jouins auseinander zu halten
macht das Lesen anstrengend) und viele Handlungstränge lassen den
Leser lange warten bis sie - wenn überhaupt -
zusammenlaufen.
Langatmig, um nicht zu sagen langweilig, weil der Autor den Leser
über 512 Seiten hinweg mit unzähligen Namen kurzfristiger
Akteuren plagt und trotz dieser verwirrend hohen Zahl an Akteuren nicht
wirklich viel passiert. Stattdessen geht es um
Zuständigkeitsgerangel der unterschiedlichen Polizeibehörden
wie Direktorat, Kripo, Präfektur, die sich mit dem Verschwinden
der Jocande befassen
Mit dem Picasso, den man aus der Literatur über Malerei kennt und
von man ein Bild hat, auch ohne z.B. in Malaga im Museo Picasso gewesen
zu sein, hat die kriminelle Witzfigur in diesem Buch nichts zu tun.
Selbst wenn man dem Autor diese Verfälschung noch nachsehen mag,
toppt er das Skurrile in seinem Buch indem neben den Anarchisten auch
noch den Satanisten Raum gewidmet wird. Nicht nur aber auch war es das
Auftreten des Satanisten Aleister Crowley, dessen Gebaren mich
letztlich dazu brachten, das Buch im nächstbesten
Büchertauschschrank zu deponieren. Wirklich schade.
Mag man mir vorwerfen, dass ich nicht die nötige Konzentration
aufbrachte um all die Personen und Handlungsstränge auseinander zu
halten, so muss ich doch sagen „Weniger wäre mehr
gewesen“ und will auch zum Ausdruck bringen, dass ich
– will ich mich konzentrieren – ein Sachbuch lese; bei
einem belletristischen Werk hingegen will ich beim Lesen entspannen und
genießen.
Mein Fazit und hartes Urteil: Das Lesen dieses Buches ist verbunden mit
viel Verwirrung und wenig Spannung; es ist letztlich Zeitverschwendung!
Wenn Sie Impressionismus, Postimpressionismus und absinthgetränkte
Montmartre-Atmosphäre spüren wollen, dann lesen sie besser
z.B. „Elke Vesper: Schreckliche Maria, Das Leben der Suzanne Valadon“. |
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
 |
Freida McFadden
The Teacher
Sprache: Englisch ; Herausgeber: bookouture ; Seitenzahl der Printausgabe: 402
Format: eBook ; Erscheinungsdatum: 6.2.2024 ; Rezensionsdatum: 5.6.2024 ; ASIN : B0CGWBB9XG
|
Nachdem „The Housemaid“ (Band 1 der entsprechenden Reihe von Freida
McFadden) mich derart begeistert hatte und das Buch für mich der
spannendste Psychothriller war, den ich seit langem gelesen hatte, war
ich von Band 2 dieser Reihe „The Housemaid´s Secret“ etwas enttäuscht
und war mir nicht mehr sicher, ob ich Band 3 (The Housemaid is
watching) auch lesen werde. Bis zum Erscheinen des Bandes 3 der Serie
(11. Juni 2024) habe ich die Zeit mit „The Teacher“ überbrückt. Auch da
ließ die Spannung eine ganze Zeit auf sich warten und hatte im ersten
Teil der Langatmigkeit etwas Raum gelassen, um dann aber, so ab der
Buchmitte, enorm aufzudrehen und letztlich das Prädikat Pageturner mehr
als verdient hat.
„The Teacher“ ist die Geschichte von Addie,
Adeleine Stevenson, die von zwei ominösen Ereignissen geprägt ist: zum
Einen sind dies die mysteriösen Umstände um den Tod ihres Vaters und
zum Zweiten ist da eine dubiose Sache mit einem Lehrer an ihrer Schule,
der daraufhin suspendiert wurde. Der zweite Handlungsstrang ist das
seltsam reglementierte Eheleben eines Lehrerehepaars an Addies Schule,
Nathanel, der der Poesie verfallen ist und Eve, für die wohl der Kauf
von Designerschuhen den Lebensmittelpunkt darstellt. Addie wird von
ihren Mitschülerinnen gehasst und gequält. Sie verliebt sich in ihren
Lehrer Nath und dann nehmen die Dinge – während Freida McFaden die
Sichtweise gekonnt von Addie zu Eve wechseln lässt - einen rasanten,
sehr dramatischen Verlauf |
ein Muss
(für Krimifans und Liebhaber der
englischen Sprache)
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Juli Zeh
Neujahr
Seitenzahl: 193 ; ISBN: 978-3-442-718962
Verlag: btb ; Format: gebundenes Buch ; Erscheinungsdatum: 10.09.2018 ; Rezensionsdatum: 6.5.2024
|
|
Es ist die
Geschichte des vom Alltagsstress geplagten und von Albträumen und Panikattacken
gestressten Familienvaters Henning, der sich – zusammen mit seiner Familie - über
Weihnachten und Sylvester eine Auszeit auf Lanzarote gönnt, wo es dann zu ganz
besonderen Ereignissen kommt.
Insbesondere
für radfahrende Freunde des Lesens und für lesefreudige Radfahrer (beiden
Gruppen fühlt sich der Rezensent zugehörig), dürften am Anfang des Buches die
Schilderungen von Hennings Radtour, mit der Auffahrt zum Dorf Femes an der
Flanke des Atalaya, mit dem damit
verbundenen 20 % Anstieg bei heftigem Wind, sehr interessant sein und an manche
ähnliche eigene Tour erinnern.
Der völlig
entkräftete Henning begegnet dort oben sodann einer netten Frau, die sich
seiner annimmt und ab da dürften die Parallelen mit einer „normalen“ Radtour im
Urlaub aufhören, denn nun lässt Juli Zeh den Leser sanft in die Welt und in die
Zeit eintauchen, in der Henning als Kind schon einmal an diesem Ort, im Haus
dieser Frau gewesen war. Recht umfangreich schildert Juli Zeh seitenfüllend
diese Zeit.
Wenn Sie genauer
wissen wollen, was Henning und seine Schwester Luna damals erlebten, welche
Konsequenzen dieses Erleben für Hennings heutiges Leben hat und welche Folgen
er daraus zieht, dies zu erkennen, dann lesen Sie dieses Buch. Und erschrecken Sie
sich nicht beim Ende, denn es ist abrupt. Und es lässt den Leser nachdenklich
zurück, aber das ist keine negative Anmerkung.
PS: Von Juli Zeh sind hier auch rezensiert: Unterleuten, Nullzeit und Schilf. Sie wollen ein Ranking? Nun, dann ist Neujahr auf jeden Fall hinter Unterleuten und Nullzeit einzuordnen.
|
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|

|
Freida McFadden
The Housemaids Secret
Sprache: Englisch ; Herausgeber: bookouture ; Seitenzahl der Printausgabe: 321
Format: eBook ; Erscheinungsdatum: 20.02 2023 ; Rezensionsdatum : 21.04.2024
|
Die
Geschichte mit Millie geht weiter. Dieser Band 2 der Reihe (nach
The Housemaid) spielt einige Jahre später. Man muss nicht
unbedingt Band 1 zuerst gelesen haben, aber besser finde ich das schon.
Freida McFadden bedient sich wieder der Technik des
mehrfachen Perspektivenwechsels und der Leser wird auch im 2.
Band wiederum gefesselt und staunt über die Wendungen, die
die Handlung nimmt.
Im Vergleich zum Band 1 (= The Housemaid) würde ich diesen gegenüber diesem Band
2 präferieren, weshalb ich hier eine Skala tiefer meiner Bewertung
wähle. Dennoch: Band 3 "The housemaid is watching" steht auf
meiner "bucket list"! Anm.: Von Freida McFadden ist hier auch "The Teacher" rezensiert. |
|
|
sehr lesenswert
(für Krimifans und Liebhaber der
englischen Sprache)
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
 |

|
Freida McFadden
The Housemaid
Sprache: Englisch ; Herausgeber: bookouture ; Seitenzahl der Printausgabe: 336
Format: eBook ; Erscheinungsdatum: 27.4.2023 ; Rezensionsdatum : 28.02.2024 ; ISBN13: 978-1408728512
|
Es ist die Geschichte von Millie, die in New York als "Hausmädchen" arbeitet. Im Haushalt von Nina Winchester
und deren nettem Ehemann Andrew (oder ist der doch nicht so nett?), der Tochter Cecilia und dem etwas
seltsam anmutenden Gärtner Enzo (oder ist der gar nicht seltsam?). Nun denn, ich
kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt etwas so Spannendes gelesen
habe. Der Leser wird gefesselt, vom Anfang bis zum Schluss. Dieser
Eindruck fusst auch, vielleicht sogar insbesondere, auf der Technik des
mehrfachen Perspektivenwechsel dieser jungen amerikanischen
Schriftstellerin, die im Hauptberuf als Ärztin arbeitet.
Die Folgebände "The housemaids secret"(Bd.2) und "The
housemaid is watching" (Bd.3) sind ein "must read". Anm.:
Von Freida McFadden ist hier auch "The Teacher" rezensiert. |
ein Muss
(für Krimifans und Liebhaber der
englischen Sprache)
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]
|
|
Claudia Kemfert
Schockwellen
- Letzte Chance für sichere Energien und Frieden -
Verlag: campus ; Seiten: 310
Format: gebundenes Buch ; Erscheinungsdatum: 8.2.2023 ; Rezensionsdatum : 25.02.2024 ; ISBN13: 978-3-593-51696-7
|
|
Die Energie-
und Klimaökonomin Claudia Kemfert ist engagierte Kämpferin für eine Energiewende in Form einer Abkehr
von fossilen Energien in Form von Nutzung von mehr Wind, Sonne, Photovoltaik
(bürokratische Hemmnisse beseitigen), Biomasse, Wasserkraft, grüner Wasserstoff,
Pumpspeicherwerke, höhere CO2-Bepreisung, Wärmepumpen statt Öl u. Gas (Abwrackprämien),
energetische Gebäudesanierung, …
Gnadenlos
deckt sie die Fehler unserer Politiker der Vergangenheit auf. In ihrer Kritik
an Schröder, Merkel, Steinmeier, Gabriel und Altmaier u.a., mit denen sie „hart
ins Gericht geht“, nimmt sie kein Blatt vor den Mund.
Immer wieder
stellt sie die berechtigte Frage, wie es in der Vergangenheit sein konnte bzw.
wie es in der Gegenwart sein kann, dass wissenschaftliche Erkenntnisse so oft an
einer Mauer aus politischer Ignoranz abprallten bzw. immer noch abprallen. Sie
verficht nachdrücklich die These, dass die Kosten des Klimaschutzes deutlich
geringer sind als die des Klimawandels (u.a. S. 136), rät nachdrücklich zum
Anpacken und dazu endlich nachhaltig tätig zu werden. Holzschnittartigen Argumenten wie „das kann ja
gar nicht klappen“ wirkt sie kenntnisreich entgegen und es gelingt der Autorin
sehr komplexe Strukturen und Zusammenhänge sehr einfach zu erklären. Das gilt insbesondere
für alles rund um Gazprom.
Das Buch ist
Allen empfohlen, die sich argumentativ mit Klimawandelleugnern/-ignoranten
auseinandersetzen müssen/wollen und Letzteren empfohlen, um ihre Sicht der
Dinge kritisch zu hinterfragen.
|
|
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Florian Illies
Liebe in Zeiten des Hasses
- Chronik eines Gefühls 1929 - 1939 -
Verlag: S. Fischer ; Seiten: 432 ;
Format: gebundenes Buch ; Rezensionsdatum : 23.01.2024 ISBN13: 978-3-10-397073-9
|
|
Oft geben Bücher, die man
allgemeinhin als Folgebände bezeichnet, nicht das her, was der erste Band der
Reihe hergab. Hier, bei Florian Illies ist es anders. „Liebe in Zeiten des
Hasses“ (der Untertitel lautet „Chronik eines Gefühls 1929 – 1939“) ist auch
nicht unbedingt ein Folgeband des von mir ebenfalls rezensierten, bezaubernden,
vorausgegangenen Werks von Florian Illies: „1913“. In „Liebe in Zeiten des
Hasses“ beschreibt Florian Illies in drei Kapiteln (davor; 1933; danach) sehr
eindrucksvoll die Leben, Handlungen, Verstrickungen, Stärken und Schwächen, Erfolge
und Versagen, Ängste und Gedanken einer Vielzahl zeitgenössischer Schauspieler,
Schriftsteller, Maler, Dichter, Künstler, um nur einige Genre zu nennen
(Selbstverständlich - auch wenn ich auch hier auf *innen o.ä. verzichte – auch
vieler Frauen). Sie alle zu nennen würde den Rahmen dieser Rezension sprengen;
um dennoch einen Eindruck zu vermitteln, seien einige hier aufgezählt: Gottfried
Benn, Hannah Arendt, Josephine Baker und natürlich die Familie Mann, Heinrich,
Erika, Thomas, Klaus, Golo, Max Beckmann, Berthold Brecht, Charlie Chaplin,
Marlene Dietrich, Otto Dix, Lion Feuchtwanger, Zelda Fitzgerald, Wassily
Kandinsky, Erich Kästner, Tamara de Lempicka, Lotte Lenya, Ruth Landshoff,
Henry Miller, Leni Riefenstahl, Jean-Paul Sartre, Pablo Picasso, Claus Schenk
Graf Stauffenberg, Kurt Tucholsky, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway und
und …. ; ja und dann die Verflechtungen, meist Liebschaften, dieser Akteure
untereinander: Die Recherchearbeit muss gigantisch gewesen sein. Technik des
Autors dabei ist es nicht etwa, das Leben und Werken der Personen wie in einem
Lexikon zu beschreiben; vielmehr ist der Zeitstrahl die Leitlinie und immer
wieder werden mehr oder weniger lange (meist eher kurze) Passagen dargestellt,
was das Lesen sehr abwechslungsreich, aber nicht immer einfach macht; es lohnt
sich, immer mal wieder zurückzublättern und sich als Leser so seinen eigenen
roten Faden durch das Buch und durch die Zeit zu stricken. Mit jeder Seite
gewinnt man immer mehr Eindrücke über Liebe, Sex und Leidenschaften in dieser
Zeit; gegen Ende viel Nachdenken und es bleibt beklemmende Bedrückung.
|
Für Geschichtsinteressierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]
|
|
Stefan Koldehoff - Tobias Timm
Falsche Bilder - Echtes Geld
Verlag: Kiepenheuer & Witsch ; 304 Seiten (als E-Book gelesen) ; Rezensionsdatum : überarbeitet am 22.01.2024
ISBN-10: 3-462-04509-1 ; ISBN-13: 9783462045093
|
|
Die Autoren Stefan Koldehoff und
Tobias Timm erzählen in diesem ihrem Buch detailliert und spannend die
Geschichte des früheren Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi und seiner damaligen
Komplizen.Sie schildern in ihrem Buch, das
sich wie ein Krimi liest (Anm.: ich mag diese Kombination von Sachbuch und
Belletristik sehr) eindrücklich und spannend das Wirken des Wolfgang
Beltracchi, der über Jahre hinweg sehr gekonnt
Bilder bekannter Avantgarde-Künstler wie Max Ernst, Fernand Leger, Andre
Derain, Heinrich Campendonk u.a. gemalt (ehrlicherweise muss man sagen
„kopiert“) hat. Exzellente Werke, die dann als Originale mit hohem Gewinn verkauft
wurden. Die ersten Bilder entstanden nach Fotos verschollener Originale, später
kamen Kreationen hinzu, bei denen Teile verschiedener bekannter Bilder abgemalt
wurden. Wolfgang Beltracchi gelange es mit hohem Aufwand alles so zu gestalten,
dass ausgemachte Experten die Gemälde nicht als Fälschungen erkennen konnten.
Man denke an die Beschaffung der Leinwände, an die Fälschungen der
Galerieaufkleber, u.v.a.m . Es wird vermutet, dass noch heute Gemälde in Museen
hängen, die keine Originale, sondern Werke Beltraccis sind.
Man
mag bei der
Bewertung des Buches durchaus festhalten, dass Stefan Koldehoff und
Tobias Timm
mit ihrem Buch eine Lücke schließen, die das Kölner
Gericht, das den Fall zwischen 2010 und 2011 verhandelte, bei seiner
Verurteilung Beltraccis angeblich
zurückgelassen hat. Nämlich die, dass nicht genug, nicht tief
genug ermittelt
worden war, nicht so wie das eigentlich zu erwarten gewesen wäre.
Angeblich
wurden 170 Zeugen gar nicht erst gehört und blieben Tausende
Seiten akribischer
Ermittlungsarbeit unbeachtet.
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Gerard Donovan
Winter in Maine
Erscheinungsdatum: 2006 ; Rezensionsdatum: 26.12.2023
Verlag: Random House ; Format: Gebundenes Buch ; Seitenzahl: 207; ISBN 13: 978-3 630-87272-8
|
|
Julius Winsome lebt allein in einer Hütte in hohen Norden
von Maine. Schon sein Vater und sein Großvater lebten in dieser Hütte. Julius lebt
dort im Einklang mit der Natur, mit den Jahreszeiten, mit den langen Wintern. Und
er lebt dort in starker Verbundenheit mit
seinem Hund und den Büchern seines Vaters, über 3.000 an der
Zahl, so dass die
Regale hierfür fast alle Wände der Hütte bedecken. Die
winterliche Ruhe rund um die Hütte wird in dieser Jahreszeit
regelmäßig durch Schüsse, die
Wilderer abfeuern, unterbrochen; aber das ist fast normal. Einer
dieser Schüsse
jedoch ändert aber so gut wie alles im
Leben von Julius Winsome. Gerard Donovan beschreibt die Ereignisste in
seinem Buch in drei Teilen : erstens. Die 5 Tage
vom 30.10. bis 2.11.; dann die Nacht des
2.11. und schließlich im dritten Teil die Zeit vom 3. bis zum 5. November. Insgesamt umfasst das Buch 50 spannende,
fesselnde, Kapitel . Der Schreibstil des Autors beeindruckt den Leser
Interessant ist auch, dass das Buch auch Autobiographisches enthält:
Auch der Autor hat einen Hund, der ihm
viel bedeutet und auch der Autor lebt auf dem Land, auf einer Farm, wenngleich
nah bei New York. Und Gerard Donovan bejaht in einem Interview die Frage, ob er
auch – wie Julius – "a lone wolf" sei.
Fazit: Leselust pur in jedem einzelnen Kapitel. Das Ganze eingebunden in ein stimmungsvolles Cover. Ein Buch, hat man es zugeklappt, den Leser
noch lange nachdenken lässt. Was will man mehr?!
Persönliche Anmerkung: Das Buch erhält auch deshalb einen besonders schönen Platz auf
meinem Regal, weil ich dieses Buch völlig durchnässt aus einem
Altcontainer geglaubt hatte. So ein Schätzchen zwischen all dem Altpapier.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Literatur Interessierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]

|
Eva Rossmann
Freudsche Verbrechen
Erscheinungsdatum: 2001 ; Rezensionsdatum: 23.12.2023
Verlag: Bastei-Lübbe Band 15049 ; Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 333; ISBN 13: 978-3 404 15049 6
|
"Verbrechen" statt "Versprechen" im Titel des Buches regte mich zum
Lesen an. Es handelt sich bei dem Buch um Band 3 der mit
(aktuell) 21 Bänden (!) ausgesprochen umfangreichen
"Mira-Valensky-Krimi-Reihe". Es geht in "Freudsche Verbrechen" um
Morde in der Neuzeit vor dem Hintergrund der Geschichte
Österreichs, speziell Wiens, zwischen 1938 und 1942.
Die Hauptakteure in dem Buch sind Mira Valensky, eine
Wiener Journalistin, zugleich begeisterte Köchin und
Genießerin ihrer Speisen, sowie ihre energische, bosnisch
stämmigen Putzfrau, zugleich Freundin Vesna Krajner. Viel
Wiener Lokalkolorit und zum Lesen vor einem Aufenthalt dort durchaus
empfehlenswert; vielleicht animierend für einen Besuch im dortigen
Freud-Museum.
Aber auch viel Geschichte, Familiengeschichte, über 3 Generationen
hinweg. Solche Bücher, bei denen man sich, um die Handlungen
komplett zu verstehen, beim Lesen stammbaumähnliche Notizen (im
Sinne von war sie jetzt Enkelin oder Tochter oder Nichte) machen muss,
sind ehrlich gesagt "not so my cup of tea". Ich habe das zuletzt
ausführlich gemacht bei Anna Karenina; aber mit Tolstoi und diesem
seinem Werk hat man es halt mit Klassiker der Weltliteratur zu tun und
da mag das schon mal angezeigt und lohnenswert sein.
Da das Buch auch nicht durchgehend spannend, sondern zuweilen
etwas langatmig ist, vergebe ich nur 2 von 5 Sternen, d.h. in meiner
Skala "Es gibt - in der unerschöpflichen Auswahl an Literatur
- Besseres". |
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Literatur Interessierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Ingeborg Seltmann
Mit Horst im Glück
Erscheinungsdatum: 2017 ; Rezensionsdatum: 19.12.2023
Verlag: rororo ; Format: Taschenbuch ; ISBN 13: 978-3499290510
|
| Dafür, dass meine Rezensionen über die beiden ersten Bände der Reihe, nämlich "Mehr Zeit mit Horst" (aus dem Jahr 2014) und "Horst allein zu Haus"
(aus dem Jahr 2015) so positiv ausfielen, hat es zugegebenermaßen
sehr lange gedauert, bis ich endlich auch den 3. Band "Mit Horst im
Glück" (aus dem Jahr 2017) gelesen bekam. Zu meiner
Entschuldigung: Die Auswahl ist halt riesig und niemand weiß das
besser als Gabi König, die Ich-Erzählerin in den 3
Bänden. Jedenfalls kann ich sagen, auch dieser Band war wieder so
amüsant, kurzweilig und lebensnah geschrieben, dass man sich
wünscht, Ingeborg Seltman möge die vergangenen 6 Jahre
genutzt haben, um aus der Trilogie doch bitte noch eine
Quadrologie entstehen zu lassen. Mein Vorschlag wäre z.B. "Mit
Horst durch die Corona-Jahre" oder Ähnliches. Nun denn,
zunächst vergebe ich mal 4 Sterne (= sehr lesenswert) für
"Horst im Glück". Warum keine 5 Sterne? Warum nicht "Für
Literaturinteressierte ein Muss"? Gabi König kennt die Antwort:
Sie lautet in etwa "Was würde wohl Thomas Mann dazu sagen?" oder
"Es muss doch noch Luft nach oben bleiben für Die Buddenbrocks oder Der Zauberberg". |
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Literatur Interessierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Olly Richards
Short Stories in English for Intermediate Learners
Erscheinungsdatum: 28.11.2019 ; Rezensionsdatum: 4.12.2023
Verlag: Teach yourself ; Format: E-Book ; ISBN 13: 978-1529361445
|
| Der vorausgegangene Band "Short Stories in English" machte
so viel Lust auf diesen Folgeband "Short Stories in English for
intermediate learners". Meine Erwartung wurde nicht enttäuscht.
Die Gliederung der Texte entspricht dem vorausgegangenen Band. Und auch
die Genres sind die Gleichen. Auch dieser Band ist eine absolute
Empfehlung für jeden, der seine Englischkenntnisse verbessern und
zugleich gut unterhalten werden will. |
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Literatur Interessierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Olly Richards
Short Stories in English
Erscheinungsdatum: 24.6.2021 ; Rezensionsdatum: 20.10.2023
Verlag: Teach yourself ; Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 240 ; ISBN 10: 1473683556
|
| 8 spannende Kurzgeschichten,
jeweils in Kapitel untergliedert, mit Vokabellistung und
Verständnisfragen nach jedem Kapitel. Die Texte aus den Bereichen Krimi, Science Fiction, Thriller und Geschichte sind
sehr phantasievoll und unterhaltsam
und lehrreich, für diejenigen, die ihr Englisch des Levels A2-B1
gem. Common European Framework of Reference (CEFR) verbessern wollen.
Das Buch macht Lust auf weitere ähnliche Werke des vielseitigen
Autors. (z.B. auf den Folgeband "Short Stories in English for
intermediate learners"). |
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Literatur Interessierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Liao Yiwu
Wuhan
Erscheinungsdatum: 26.01.2022 ; Rezensionsdatum: 2.12.2023
Verlag: S. Fischer ; Format: gebundenes Buch ; Seitenzahl: 352 ; ISBN 10: 3103971052
|
|
Bücher kann man nach den unterschiedlichsten Kriterien
differenzieren: es gibt dicke und dünne Bücher, es gibt alte und neue Bücher
usw. Sinnvoller und zielführender ist es natürlich, wenn man nach dem Inhalt
der Bücher differenziert: ich unterscheide diesbezüglich zwischen Fiktivem und
Realen bzw. zwischen belletristischen Büchern und Sachbüchern. Dieses hier
macht mir die Unterscheidung schwierig; es ist weder belletristisch noch ein
Sachbuch, oder besser gesagt, es ist sowohl ein belletristisches als auch ein
Sachbuch. Es ist - wie deutlich auf dem
Titel zu lesen ist - ein Dokumentarroman. Also ein Werk, das Reales und Fiktion
verknüpft. Der fiktive Teil ist schnell
dargestellt: er schildert u.a. die Erlebnisse eines Einwohners von Wuhan als
dieser nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland nach China zurückkehrt und
40 Tage benötigt, um vom Flughafen in seine Wohnung und zu seiner Familie zu
gelangen, um dann von seiner Tochter erfahren zu müssen, dass seine Frau kurz
zuvor dem Virus erlegen ist.
Ebenso wenig wie das Buch somit in die o.a. inhaltlichen
Kategorien einsortierbar ist, lässt es sich auch nicht in die ansonsten von mir
verwendeten 5 Qualtitätskategorien einordnen.
Ist z.B. das Buch einerseits sehr lesenswert, so ist es andererseits für jeden,
der daran glaubt, dass zukünftige Kriege nicht mehr wie früher (oder derzeit
noch in der Ukraine und im Gaza-Streifen) durch Panzer und Raketen und
Landgewinne/-verluste gewonnen oder verloren werden, sondern dadurch wie es
gelingt, generell die progressivste Technik einzusetzen. Erwähnenswert in
diesem Kontext finde ich eine Fußnote zu Seite 228 auf Seite 350, wo aus "Der
Zeit" zitiert wird. Dort wird unter der Überschrift „China: Dieses
Schlachtfeld hat keine Grenzen“ ausgeführt "Ein künstlich herbeigeführter
Börsencrash, ein Hackerangriff, ein Gerücht oder Skandal, der den Währungskurs
des Feindes zum Absturz bringt oder seine Anführer im Internet bloßstellt, all
das gehört nun ins Arsenal der Waffen neuer Art". Zu ergänzen wäre noch: „Biotechnologie
ist also nach Schwertern, Gewehren, Atombomben die neue Waffe“.
Schon auf den allerersten Seiten gewinnt man den Eindruck,
dass man in diesem Buch weit mehr über China und Corona erfahren wird, als man
bisher gewusst hat. Eine Voraussetzung dafür ist, sich darauf einzulassen, dass
das Buch nicht immer leicht zu lesen ist. Auch wenn man nicht allzu viele
Sachkenntnis mitbringen muss, um zwischen Realem und Fiktivem zu unterscheiden,
so sind da doch viele andere Passagen, die der Autor einfließen lässt und die
den Lesefluss vorübergehend unterbrechen. Dazu zählen z.B. alte Gedichte und
eine Vielzahl von Fußnoten, die nicht am unteren Seitenrand, sondern am Ende
des Buches erläutert werden, was viel Blättern vor und zurück erfordert.
Inhaltlich rückt die Frage, ob das Coronavirus vom Tiermarkt
in Wuhan oder aus dem P4-Labor in Wuhan stammt, immer mehr ins Zentrum.
Klappt man nach der Lektüre das Buch zu, bleibt vermutlich
jeder sehr nachdenklich zurück.
Aus oben genannten Gründen wird ausnahmsweise auf eine
Zuordnung in eine der sonst üblichen 5 Kategorien (Für an Literatur Interessierte ein Muss, sehr lesenswert, lohnt sich,
es gibt Besseres, Zeitverschwendung) verzichtet!
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Literatur Interessierte
ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
Siehe zum Verzicht auf eine solche Eingruppierung obigen Text !
|

|
Elke Vesper
Schreckliche Maria
Erscheinungsdatum: 1. 11. 2007 ; Rezensionsdatum: 19.10.2023
Verlag: Fischer ; Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 784 ; ISBN 10: 3596117807X
|
 |
|
Schon viel
habe ich über die Zeit des Impressionismus, dessen Vertreter auf dem
Montmartre in Paris, gelesen, aber noch nie so detailliert und so eindrucksvoll beschrieben
wie in diesem Buch. Insbesondere die Affären der Suzanne Valadon mit Henry
Toulouse-Lautrec, mit Eric Satie und anderen und ihr Zusammenleben mit
dem Bankier Paul Mousis und mit ihrer Mutter Madeleine und ihrem Sohn Maurice
Utrillo sowie ihre langjährige Partnerschaft mit Andre Utter werden
eindrucksvoll beschrieben . Was Elke Vesper über die beiden zuletzt genannten
zu Papier gebracht hat, welch ungeheure Sorgen und Nöte Maurice u.a. mit seiner
Alkoholabhängigkeit seiner Mutter und seinem Stiefvater bereitet hat,
beeindruckt den Leser.
Das Buch
beginnt mit rauen Schilderungen aus der Künstlerszene des Montmartre und mit
Bettgeschichten zwischen Marie und Henry Toulouse-Lautrec, der ihren Namen
Marie als unvereinbar mit ihrer sexuellen Begierde empfand und vorschlug, sie
solle sich ab sofort Suzanne nennen. Apropos sexuelle Begierde: ich bin nicht
prüde, aber manche Buchseite ist als nicht jugendfrei einzustufen und etwas
weniger detaillierte Schilderungen der erotischen Wünsche und Aktivitäten der
Suzanne und ihrer Männer hätten dem Buch eher gut getan.
Nun denn, es
ist jedenfalls phantastisch wie die Schriftstellerin ihre Leser in die Welt des
Impressionismus versetzt. So beeindruckend wie sie Gespräche zw. Cezanne,
Manet, Degas, van Gogh und vielen anderen wiedergibt.
Einfühlsam,
sehr gut nachvollziehbar beschreibt die Autorin das Paris zum Ende des 19.
Jahrhunderts, rund 100 Jahre nach der Revolution, die Eindrücke der Besucher
der Weltausstellung 1889 in Anbetracht des „300-Meter-Turms“ und die Zeit des
aufkommenden Impressionismus in der Malerei. Die Nennung der Straßen, Gassen
und Plätze auf der Butte Montmartre und anderswo in Paris und Umgebung animiert
dazu, dort beim nächsten Aufenthalt in Paris entlang zu spazieren. Insbesondere
die Rue Cortot Nr. 12-14, wo Suzanne Valadon, Andre Utter und Maurice
Utrillo wohnten und arbeiteten, steht dann auf der "ToDo-Liste"
Wer schon
über Impressionismus gelesen hat, der weiß, dass viele der Impressionisten
zeitgleich am selben Ort gelebt haben und sich gegenseitig gut kannten, sich
trafen und über ihre Malerei diskutierten. Aber noch nie wurde mir das so
eindrucksvoll vermittelt, wie Elke Vesper dies in diesem Buch tut. Ihre
Beschreibung der ersten Ausstellung ist so eingehend, dass man nach dem Lesen
glaubt, selbst dabei gewesen zu sein. Hinzu kommt, dass das Buch auch viel über
die beginnende Emanzipation der Frauen und den Feminismus erzählt.
Wenn Sie
sich für Impressionismus und nachfolgende Kunstrichtungen wie Expressionismus,
Fauvismus u.a. interessieren, lesen Sie unbedingt dieses Buch. Es wird Ihnen
viele neue Eindrücke vermitteln.
Wenn es
überhaupt etwas Negatives anzumerken gibt, so ist dies der Verzicht der
Schriftstellerin auf direkte Rede und Anführungszeichen und die Bevorzugung der
indirekten Rede, was das Lesen manchmal etwas erschwert.
Höchste Anerkennung
für das schier unermessliche Ausmaß an Recherchearbeit, welches Elke Vesper
bewältigt hat, um die 774 Buchseiten so gekonnt zu füllen.
Wer mehr
über Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wissen will, für den
ist dieses Buch Pflichtlektüre. In keinem Buch dieses Genres habe ich so tiefgehenden
Einblicke in die Zeit und das Leben und die Gedanken der Künstler gewonnen.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für an Malerei Interessierte ein Muss
|
Für alle Anderen sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]

|
Gerd Gigerenzer
Klick
Originaltitel : How to Remain Smart in a Smart World ; Erscheinungsdatum: 23.11.22 ; Rezensionsdatum: 02.08.23
Verlag: Pantheon ; Format: gebundenes Buch ; Seitenzahl: 416 ; ISBN 10: 3570554767 |
|
Bisher hatte ich zum Thema "Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens" von Richard David Precht gelesen
und hier rezensiert. Nun fiel mir dieses Buch von Gerd
Gigerenzer in die Hände. Um Eines vorwegzunehmen: bedingungslose
Befürworter von KI sind beide hochintellektuellen Autoren nicht.
Auch ein Votum vorab: Vielleicht ist "Klick" von allen hier
rezensierten
Sachbüchern das Wichtigste und - nahezu
selbstverständlich - ist es nicht immer leicht zu lesen und direkt
zu verstehen. Der Autor liefert jedoch sehr, sehr viele Beispiele aus
den
unterschiedlichsten Themengebieten für Irrtümer über KI
und Irrtümer der KI. Und hieraus resultiert schon: auch für
Gefahren der KI. Er liefert auch unzählige, interessante Infos und
Berichte über Forschungsergebnisse zum Thema. Um hier nur eines
herauszugreifen: "Um alle Datenschutzerklärungen zu lesen, die ein
durchschnittlicher Internetnutzer im Jahr als "gelesen und verstanden"
markiert, bräuchte dieser 30 Arbeitstage". Haben Sie die zur
Verfügung? Ich nicht! Und somit wissen wir Beide, wie wir damit
umgehen; wir klicken auf "alle akzeptieren". Unter dem Strich
ist der Autor mehr der Warner als der begeisterte
Befürworter dieser neuen Techniken. Ich habe allerdings
(leider) kein Vertrauen, dass Gigerenzers
Meinungen und Ansichten und Bemühungen mehrheitsfähig
oder
durchsetzungsfähig sein werden.
Beeindruckend sind auch seine Ausführungen über z.B. Datingapps oder den
Sozialkreditscore: Dem Beispiel Chinas folgend haben Staaten in Asien
(Thailand, Myanmar, Vietnam) aber auch in Südamerika (Venezuela) und
Afrika (Tansania) entsprechende Planungen oder Systeme schon
eingeführt. Auf S. 231 führt der Autor aus "Ob
offen oder versteckt, Techunternehmen und staatliche Organisationen
bauen gemeinsam an einer Welt der totalen Überwachung. Beobachtet zu
werden wird unsere Zukunft sein - es sei denn, die Bürger, die
Gesetzgebung und die Gerichte greifen ein, um dem Scoring der
Bevölkerung Einhalt zu gebieten". Jede
Technik hat ihre guten und ihre schlechten Seiten. Mit einem Auto
kann man im guten Fall schnell von A nach B kommen; mit demselben Auto
kann man im schlechten Fall jemanden überfahren. Gigerenzer
schreibt -
wenn auch nicht nur, dann doch überwiegend - über die 2.
dieser beiden
Alternativen, über die schlechten Auswirkungen der KI . Er
schreibt
auch über bedauerliche Unfälle infolge Unachtsamkeit am
Steuer und dafür,
dass er speziell das Thema "Smartphone während des Autofahrens"
ausführlich behandelt und warnende Worte an den Leser richtet,
danke
ich ihm (wenngleich seine Worte wenig und mein Dank gar nichts
nützen und mir weiterhin Deppen entgegenkommen, die bei hoher
Geschwindigkeit auf ihr Handy glotzen). Fazit
mit Bezug auf den o.a. engl. Originaltitel: ich habe beim Lesen viel
Neues erfahren und werde mich bemühen, smart zu bleiben (oder zu
werden)
in der (unaufhaltbaren) "smarteren world".
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|

|
Remy Eyssen
Tödlicher Lavendel
Erscheinungsdatum: 28.04.2022 ; Rezensionsdatum: 20.05.2023
Verlag: Ullstein ; Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 464 ; ISBN 10: 3864932157 |
|
Sie kennen das
sicher: Ein regionaler Wein, der am Urlaubsort so sehr mundet, von
dem
man eine Kiste mit nach Hause nimmt, schmeckt daheim gar nicht mehr so
gut. Ähnlich ist das mit einem Roman, dessen Handlung in dem
Urlaubsort spielt, in dem man sich gerade aufhält. Wenn der Autor
z.B. eine Landschaft, ein
Städtchen, ein Denkmal o.ä. beschreibt, was man wenige
Stunden zuvor in Realita gesehen hat, steigert das unweigerlich
die Lust am Lesen. So jedenfalls erging es mir mit diesem Buch und das
beeinflusst meine Bewertung. Inhaltlich geht es um den Pathologen und
Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter, der von Frankfurt nach Le Lavondou
wechselt und dort in Verbrechen und allerlei Verstrickungen verwickelt
wird. Teilweise finden sich sehr grausame Schilderungen bez. der
begangenen Ermordungen und auch die Arbeit in der Gerichtsmedizin und
den zwangsläufigen Obduktionen, der Umgang mit den "Patienten" des
Dr. Ritter, ist nichts für Leser mit
schwachen Nerven. Hie und da kommt einem da schon das Schaudern. Der
Autor versteht es, die Charaktere gut darzustellen (so insbesondere den
Polizeichef und den Bürgermeister von Le Lavandou) die Spannung in
den mehr als 460 Seiten geschickt zu
steigern. Nebenbei geht Remy Eyssen auch auf aktuelle Themen wie die Hitze,
den Wassermangel und die gefährlichen Waldbrände in der
Provence bzw. Cote d´Azur ein. Die Lektüre lohnt sich;
weilt man gerade in der Region Provence-Cote d´Azur so ist das
Buch sehr lesenswert.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|

|
Carsten Sebastian Henn
Der Buchspazierer
Erscheinungsdatum: 2.11.2020 ; Rezensionsdatum: 2.4.2023
Verlag: Pendo ; Format: Kindle ; Seitenzahl der Print-Ausgabe: 224 ; ISBN 10: 3866124775 |
|
Bücher übers Lesen und Bücher
über Bücher wecken in mir
schon immer die Leselust. Es sei z.B. nur an „Bücher, Alles was man lesen muss“ von Christiane Tschirnt
verwiesen. Dieses hier wurde mir von einer lieben Freundin empfohlen
und damit lag sie
goldrichtig. Geradezu herzerweichend, wie Herr Kollhoff, ein in die
Jahre gekommener Mitarbeiter einer Buchhandlung, der bestellte
Bücher zu Fuß an die Kunden der Buchhandlung ausliefert und
die neunjährige Schascha miteinander und mit "ihren" Kunden
umgehen. Begleitet werden sie dabei von einer Katze namens Hund.
Vielleicht ist es eine der wesentlichensten Fähigkeit von
Büchern, Einsamkeit zu beseitigen. Jedenfalls haben die von den
Beiden mit viel Nächstenliebe ausgelieferten Bücher diese
Wirkung auf ihre Leser. Das
Buch von Carsten Henn macht Lust, weitere Bücher von diesem Autor
zu lesen, als da
wären "Der Geschichtenbäcker",
"Eine Prise Sterne", "Die letzte Reifung" und "Tod und
Trüffel".
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
[Seitenanfang] [Home]

|
100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern
Erscheinungsdatum: 5.2.2019 ; Rezensionsdatum: 19.3.2023
Verlag: Katapult ; Format: gebundenes Buch ; Seitenzahl: 208 ; ISBN 10: 3455005381 |
|
Ein
außergewöhnliches Sachbuch, das verblüffende
Erkenntnisse auf einfachste Art und Weise vermittelt. Mit solchen
Karten hätte mir der Erdkundeunterricht in der Schule mehr
Spaß gemacht. Um nur wenige von den 100 herauszugreifen:
Hätten Sie geglaubt / haben Sie gewusst, dass die gesamte
Weltbevölkerung von derzeit 7,6 Milliarden Menschen -
vorausgesetzt 2 Menschen würden sich nebeneinanderstehend einen
Quadratmeter teilen, was für Versammlungsstätten eine
gängige Größe ist - eine Fläche von nur 62 x 62
Kilometern einnehmen würden. Die 3.844 Quadratkilometer, die man
dafür benötigte, würden nur wenig über die Grenzen
des Saarlandes (2.570 qkm) hinausreichen. Oder, dass man nur eine
einzige Fläche auf dem Atlantik von 1.500 x 1.500 km
benötigen würde, um die gesamte (!) Welt mit Strom aus
Windkraft zu versorgen. Sehr anschaulich auch die Doppelseite, die die
Länder der Welt nach ihrer Größe darstellt: von den
riesigen Ländern wie Russland, Kanada, China, USA bis zu den
kleinsten wie auf der Buchseit kaum noch zu erkennenden Ländern
wie Israel, Slowenien oder Kuwait. Solche vergleichende, bildliche
Darstellungen bis zum geographischen Unterschied zw. Semikolon und
Strichpunkt, bis zu einer Weltkarte, die den Alkoholkomsum der
Bevölkerung der Länder darstellt u.v.a.mehr, lassen einen
gemütlich und wissbegierig durch die 208 Seiten
blättern.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Ferdinandvon Schirrach
Nachmittage
Erscheinungsdatum: 24.8.2022 ; Rezensionsdatum: 5.3.2023
Verlag: Luchterhand Literaturverlag ; Format: gebundenes Buch ; Seitenzahl: 176 ; ISBN 10: 3630877230 |
|
26 Geschichten, manche kaum eine Buchseite füllend, wie z.B.
die Nr. 9 oder 11; manche über 20 Seiten lang, wie die Nr. 8. Überhaupt die
Nr.8: Sie ist meine Lieblingsgeschichte, weil erst im letzten Absatz alles klar
wird. So wie auch bei der Nr. 18 oder bei der Nr. 12, wo es gar das letzte Wort
ist, das die ganze Geschichte ausmacht; sozusagen die Quintessens de luxe . Die
16 ist richtig spannend. Dann aber auch mal, wie die Nr. 17, zunächst völlig Unzusammenhängendes auf 2
Seiten zusammengequetscht und es bleibt dem Leser überlassen, den Zusammenhang
zu erkennen. Bei anderen - wie der Nr. 23 und 24 - fehlt ein Highlight am
Schluss und der Autor lässt den Leser etwas ratlos zurück. Insgesamt allemal
ein lesenswertes, weil "Denkanstöße gebendes Buch". Die Lektüre lohnt sich.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|

|
Christoper Kloeble
Das Museum der Welt
Erscheinungsdatum: 20.08.2021 ; Rezensionsdatum: 2.1.2023
Verlag: dtv ; Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 528 ; ISBN 13: 978-3-423-14805-4 |
Das Buch erzählt die Geschichte, besser gesagt die Abenteuer,
eines 12-jährigen, eigensinnigen Waisenjungen aus Bombay (heute
Mumbai) in den Jahren 1853/1854. Es ist somit ein Abenteuerroman. Noch
treffender ist es als Schelmenroman zu bezeichnen (wird doch ein
solcher dadurch gekennzeichnet, dass er schildert, wie sich der aus
unteren gesellschaftlichen Schichten stammende Hauptakteur in einer
Reihe von Abenteuern durchs Leben schlägt und dabei seine niedere
Geburt zu überwinden versucht, indem er permanent nach Aus- und
Aufstiegsmöglichkeiten sucht). Und weil neben dem Waisenjungen
namens Bartholomäus die drei Brüder Hermann, Adolf und Robert
Schlagintweit Hauptakteure sind, ist es auch ein Reisebericht, ein
Historienroman und fast auch ein Sachbuch; denn die beschriebene
Forschungsreise dieser 3 zu Zeiten Alexander von Humboldts durch Indien
fand tatsächlich (so oder so ähnlich) statt.
Und der Leser lernt etwas über die politischen Verhältnisse
in Indien in dieser Zeit. Speziell über die britischen
Kolonialherren in Form der East India Company, die Mitte des 19.
Jahrhunderts bereits seit rund 200 Jahren ganz Indien kontrolliert.
Bartholomäus führt ein qualvolles Leben im Waisenhaus. Er ist
intelligent; spricht verschiedene Sprachen, was ihm dazu verhilft, dass
die drei Forscher aus Bayern ihn als Dolmetscher mitnehmen. Zwischen
Bartholomäus und Adolph Schlagintweit entwickelt sich eine
besondere Beziehung.
Es ist ein überraschendes, ein eigenwilliges Buch, oft bizarr und
seltsam. Kritisch anzumerken ist, dass der Lesefluss häufig
dadurch gestört wird, dass der Autor auf wörtliche Rede in
Anführungszeichen verzichtet. Sätze wie z.B. Wer ist da?,
fragte sie (also mit Komma hinter Frage- oder Ausrufezeichen und das
mehrfach hintereinander) würde man einem Grundschüler nicht
durchgehen lassen.
Mein zweiter Kritikpunkt: es fehlt ein Glossar, der die vielen für
einen Europäer fremdartigen Ausdrücke und Bezeichnungen
listet und erläutert. Oder wissen Sie was die Vickys, eine
Baramahda, Diwali, eine Diya, ein Maharaja, Urdu, Gujarati, ein Harami
usw. sind?
Drittens ist anzumerken, dass es das Geheimnis des Autors bleibt, wieso
ein 12-jähriger Waisenjunge neunmalklug erklären kann, dass -
um nur ein Beispiel zu nennen
- Holismus eine Ganzheitslehre ist, der die Vorstellung, dass Systeme
und ihre Eigenschaften, als Ganzes und nicht nur als Zusammensetzung
ihrer Teile zu betrachten sind, zugrunde liegt.
Fazit: ein durchaus geschichtlich lehrreiches, oft (zu) skurriles, geheimnisvolles, nicht immer leicht zu lesendes Buch.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
 |
Andrea De Carlo
Wenn der Wind dreht
Erscheinungsdatum: 23. September 2008 ; Rezensionsdatum: 13.12.2022
Verlag: Diogenes ; Format: Taschenbuch ; Seitenzahl: 432 ; ISBN 10: 3257237839 |
|
Das Buch schildert eine unglaubliche
Geschichte, die vier erfolgsverwöhnte, der Mailänder Oberschicht zuzuordnenden
Personen erleben, als sie sich mit einem Immobilienmakler in einem Multivan auf
eine Fahrt nach Umbrien begeben, um dort zum Verkauf stehende Häuser auf dem
Lande zu besichtigen. Die vier, das sind das Ehepaar Enrico und Luisa Guardi,
er Architekt und sie Buchverlagslektorin, sowie Arturo Vannucci, seines
Zeichens Inhaber eines Möbelgeschäfts und die TV-Entertainerin Margaritha
Novelli; der fünfte im Auto ist der der Makler Alessio Cingaro, der - seine
Provision vor Augen – während der Anreise nicht müde wird, seine Kunden von den
Vorzügen der Immobilien und dem entspannten Leben auf dem Lande überzeugen zu
wollen.
Nach ersten
Meinungsverschiedenheiten über der Frage, ob am Zielort erst das Hotel bezogen
werden und die Besichtigung der Häuser am Folgetag erfolgen soll oder ob man
doch noch vor Einbruch der Dunkelheit – über deren Zeitpunkt auch
unterschiedliche Meinungen bestehen - zu den Objekten fahren soll, kommt es zu
einer folgenschweren Autopanne, die eine Weiterfahrt in der zwischenzeitlich
eingebrochenen Nacht nicht zulässt. Mit der Reaktion von Margaritha gegenüber
dem am Steuer sitzenden Vannucci, der ihres Erachtens die Panne verursacht hat,
werden der zunächst beim Start noch ungezwungenen Atmosphäre weitere Risse zugefügt.
Die 5 müssen das Auto stehen lassen und in der Dunkelheit und Einsamkeit bei
Regen ihren Weg zu Fuß (hierfür war keiner gerüstet) fortsetzen. Sie streben als einzig möglichen Zufluchtsort
Lichter am Waldrand an. Natürlich nicht ahnend, dass ihr Aufenthalt dort so
enden wird, wie er endet. An den Gehöften angelangt treffen sie auf Mirta und
Gaia und Arup und Lauro sowie die Kinder Aria und Icaro. Die plötzliche Erkenntnis,
dass es sich bei den Gebäuden um exakt die handelt, die die 4 zwecks möglichem
Erwerb besichtigen wollen, trifft diese wie ein Paukenschlag.
Auch die Leute mit den
altertümlichen Namen und ebensolcher Kleidung, Hausrat und Werkzeug, die sich widerrechtlich
in den von den ursprünglichen Bewohnern verlassenen Häusern ohne Strom und
fließendes Wasser einquartiert haben, um darin ein vom Verzicht auf jeglichen Luxus,
mehr noch ein von der Abkehr von allen modernen Errungenschaften geprägtes Leben
in totaler Abgeschiedenheit zu führen, sind geschockt. Dennoch legen die Aussteiger
zunächst eine gewisse Gastfreundschaft an den Tag. Mit dem Verlauf jedoch werden
die unterschiedlichen Ansichten immer deutlicher und die zwischenmenschlichen Probleme
immer größer. Auch die Gefühle der so unterschiedlichen Akteure und Charaktere
nehmen immer breiteren Raum ein und bestimmen immer mehr deren Reden und Tun.
Schließlich wird neben der materiellen
Rückständigkeit der Bewohner eine moralische Rückständigkeit, mindestens bei
deren Gästen immer deutlicher. Vergangenes wird in Erinnerung gebracht, um sich
gegenseitig zu denunzieren und schlecht zu machen. Letztlich eskaliert es zwischen den 5
Mailändern immer mehr.
Als Bewertung ist festzuhalten: Mit dem Szenario der Anreise
beginnt der Roman zunächst etwas langatmig. Die Szenen mit den 5 Dauertelefonierenden
im Auto nerven etwas. Spannend wird es, als sich nach der Autopanne
herausstellt, dass die Gebäude, die die 5 in ihrer Not zu Fuß ansteuern, genau
die sind, die diese erwerben wollten. Das überrascht den Leser an dieser Stelle
(zugegebenermaßen ging es zumindest mir so) und das baut unvermittelt einen
Spannungsbogen auf, der im Folgenden noch sehr viel mehr gespannt werden wird.
Kleine Punktabzüge erhält das Buch, weil die Dialoge manchmal etwas gestelzt rüberkommen
und manche Schilderungen etwas zu langatmig sind. Insgesamt jedoch eine
absolute Leseempfehlung. Und beim Lesen stellt man sich stets eine Verfilmung
des Romans vor und das spricht ebenfalls für dieses Werk.
|
|
Meine
Bewertung:
|
Für Literaturinteressierte ein Muss
|
sehr lesenswert
|
lohnt sich
|
es gibt Besseres
|
Zeitverschwendung
|
|
|
|
|
|
|
|

|
Tommy Jaud
| |