Buchrezensionen von  ...
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Eberhard Landes
Meine ganz privaten Literaturempfehlungen (Bücher, die ich einpacken werde, wenn ich reif bin für die Insel) sind:
"Bildung" von Dietrich Schwanitz (weil ich mich wohl auch dann noch wundern werde, was ich alles nicht weiß),
"Sturz ins Leere" von Joe Simpson (weil es so unbegreiflich ist, was Joe Simpson erlebt hat),
"Qi Gong" von  Kenneth Cohen (weil es so viele Geheimnisse in sich birgt),
"Allein auf den Everest" von Göran Kropp (weil er meine Hobbies Radfahren und Klettern "brutalst möglich" kombiniert hat),
"Narziß und Goldmund" von
Hermann Hesse (weil es mir von allen Klassikern das liebste Buch ist).
Und dann natürlich all die guten (... und zum Vergleich evtl. auch die nicht so guten) Bücher, die ich hier rezensiert habe.
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Belletristik

 

Sachbücher


Liste der

91
Autoren

 
Liste der
130
Titel

 
Liste der
40
Autoren

 
Liste der
41
Titel

Alanyali, Iris
Aramburo, Fernando


Bambaren, Sergio
Bettinger, Martin
Beigbeder, Frederic
Binding, Tim

Borger und Straub 
Borrmann, Mechthild

Bourdouxhe, Madeleine
Breloer, Heinrich

Bryson, Bill
Brown, Dan
Buhl, Marc

Carofiglio, Gianrico
Chevalier, Tracy
Clark, Rosie M.
Coello, Paulo
Cross, Donna W.



Dusse, Karsten
Dische, Irene
Dörrie, Doris
Drokur, Bernhard

Dürrenmatt, Friedrich


Eggers, Dave
Eschbach, Andreas


Falk, Rita
Ferrera Catalina
Fitzek, Sebastian
Fleischhauer, Wolfram
French, Nicci
Fried, Amelie



Genzmer, Herbert
Goddard, Robert
Gruber, Lilli



Hannah, Kristin
Hammesfahr, Petra
Hasselmann, D.O.
Helfgen, Heinz
Hesse, Hermann
Heidenreich, Elke
Hoffman, Jilliane
Hosseini, Khalid
Houellebecq, Michel

Illies, Florian

Jaud, Tommy
Jensen, Carsten
Jonasson, Jonas
de Jong, Wilfried

Kehlmann, Daniel
Kling, Marc-Uwe
Klüpfel, Volker
Klonovsky, Michael
Kobr, Michael
Krächan, Brigitte
Kuhlmann, Heinrich


Leon, Donna

Mann, Thomas
Mankell, Henning
Mayle, Peter
Mercier, Pascal
Metzenthin, Melanie
Meyerhoff, Joachim
Moore, Tim
Morgan, Marlo
Mosley, Walter
Münzer, Hanni



Rademacher,  Cay
Rath, Hans

Read, Oliver
Rech, Kerstin
Rosendorfer, Herbert
Roth, Philipp

Safier, David

Schätzing, Frank
Schauhoff, Frank

Schlink, Bernhard
Schreiber, Claudia
Schröder, Bernd

Seltmann, Ingeborg
Suter, Martin

Tschirnt, Christiane
Tuma, Thomas
Twilfer, Kai


Williams, John
Wagendorp, Bert
Wagner, Emma
Walser, Martin
Weiler, Jan
Wollitzer, Mag



 Zafon, Carlos Ruiz
Zeh, Juli
Zweig, Stefan
  Absterbende Gemütlichkeit
Achtsam Morden
Adler und Engel
Alle Toten fliegen hoch - Amerika
Allmen und die Libellen
Alpenpässe und Anchovis
Anleitung zum Unschuldigsein
Antonio im Wunderland
Auf der Suche nach Marie

Belas Sünden
Beerholms Vorstellung

Breaking News
Bücher, Alles was man lesen muss

Cliffhanger
Cupido

Dampfnudelblues

Das Erbe
Das Gesetz der Lagune
Das Jesus Video
Das Mädchen mit dem Perlenohrring
Das perfekte Spiel
Das Salzmädchen
Das selbstfahrende
Bett
Das sterbende Tier
Das weiße Segel
Das Wochenende

Der Alchimist
Der Circle
Der
Dämon und Fräulein Prym
Der Geiger
Der letzte Weynfeldt
Der Koch
Der moderne Mann
Der
Verdacht
Der Ramses-Code
Der
Schwarm
Der Teufel von Mailand
Der weiße Schmetterling
Der Zauberberg

Die Analphabetin, die rechnen konnte
Die blaue Reise 

Die dunkle Seite des Mondes
Die Ehefrau
Die große Umwendung
Die Frau mit den Regenhänden
Die Heimkehr 
Die Liebhaber meiner Frau
Die Nachtigall
Die Päpstin
Die rote Antilope
Die schwedischen Gummistiefel
Die Therapie
Die Schachnovelle
Die Schatten der Toten
Die Vermessung der Welt
Die Zeit, die Zeit

Drachenläufer

drei sieben fünf

Ein Liebhaber ungerader Zahlen
Ein Mann und sein Rad
Ein Strand für meine Träume
Ein perfekter Freund
Emmas Glück
Encore  Provence
Erntedank

Fatal Tango
Flugangst7A

Großmama packt aus

Heute keine Schüsse
Höhenangst
Honigtot    
Horst allein zu Haus

Ich radle um die Welt
Ich trampe zum Nordpol
Illuminati
Im Gehege
Im Lautlosen
 In meinem kleinen Land

Kalte Rache

Land der Wunder
Lautlos
Lea
Leere Herzen
Letzte Etappe Mont Ventoux
Liebesfluchten
Lila, Lila

Mallorca, ein Jahr
Mehr Zeit mit Horst

Mein Jahr in der Provence
Mieses Karma
Milchgeld
Mörderischer Mistral
Monolog in Schwarz

Nachtzug nach Lissabon
Narziß und Goldmund
Neununddreissigneunzig
Nullzeit

Patria
Picknick mit Bären

Qualityland

Rasmussens letzte Reise
Rauhnacht

Rechtspfleger Grothjahn
Reise in die Nacht
Resturlaub
Ruhm

Sankt Martin
Schantall, tu ma die Omma winken
Seegrund
Small World 
Solange es Schmetterlinge gibt
Spanische Delikatessen
Spiel des Engels
Stoner
Streifzüge durch das Abendland

Tod eines Kritikers 
Traumreisende

Tyll

Überleben 
Über Menschen
Und Gott sprach: Wir müssen reden
Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch
Und Gott sprach: Du musst mir helfen
Und was wird aus mir
Unterleuten

Unterwerfung 

Ventoux
Verborgene Laster und andere
Geständnisse

Verschwiegene
Kanäle
Vollidiot

Wann wird es endlich wieder so
Weil ich von dir träumte
wie es nie war
Winterkartoffelknödel
 







Bryson, Bill
Berggruen, Heinz
Brumme, Christoph



Erat, Elena u. Materne, Peter


Durrell, Lawrence

Grönemeyer, Dietrich
Gottschalk, Thomas

Harrer, Heinrich 
Häusler, F. Richard

Iding, Doris 

llies, Florian

Keller, Kurt
Kerkeling, Hape
Klonvosky, Michael
Koldehoff, Stefan

Lankers, Katharina
Lorenzo, Giovanni di


Martin, Guillaume
Maso, Benjo
Moshammer, Meike




Penn, Robert
Plaum, Wätzold
Poser, Manfred
Precht, Richard-David
Prüter, Dirk

Rech, Kerstin
Reich-Ranicki, Marcel
Röhm, Uli



Scherer, Klaus
Schirrmacher, Frank
Schmidt, Helmut
Schmidt, Walter 
Sick, Bastian
Sieböck, Gregor
Steinbrück, Peer

Timm, Tobias

Voigt, Wilfried

Wickert, Ulrich
Winchester, Simon
 

111 Gründe, das Radfahren zu lieben

1913

Alles ist Yoga  
 Am Ende der Eiszeit
Auszeit in Wanderstiefeln


Bis alles in Scherben fällt

Das Methusalem-Komplott


Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge 2-
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge 3-
Der kleine Medicus
Der Mann, der die Wörter liebte
Der satirische Kreuzfahrt-Flüsterer
Der Schweiß der Götter

Der Weltenwanderer

Die Wiki-Revolution

Eine kurze Geschichte von fast allem

Falsche Bilder - Echtes Geld


Hauptweg und Nebenweg
Herbstblond

Ich bin dann mal weg
Ich lenke, also bin ich
In der Provence

Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens

Lebenswerte


Mein Leben (Reich-Ranicki)
Mein Leben (Harrer)

Praktische Personalführung 


Radfahren
Radsport furios
Radabenteuer Welt

Schritt für Schritt zur eigenen Mitte
Sokrates auf dem Rennrad
Spektakuläre Kriminalfälle im Saarland

Tatort Autobahn



Urlaub mal anders


Verstehen Sie das, Herr Schmidt
Vom Glück auf zwei Rädern
Vom Glück Franzose zu sein


Zeit zu handeln
Zug um Zug




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Juli Zeh 

Adler und Engel  

Erscheinungsdatum: 2001 ;  Rezensionsdatum: 28.7.2021 

Format: Kindle ;  ISBN 10: 9783442729265 ; Verlag: btb 
Schöffling & Co

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Zeh-adler-engel.htm (c) Dieter Wunderlich
Schöffling & Co

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Zeh-adler-engel.htm (c) Dieter Wunderlich
Schöffling & Co

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Zeh-adler-engel.htm (c) Dieter Wunderlich
Seitenzahl der Printausgabe:  444
3-89561-054-2, 444 Seiten

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Zeh-adler-engel.htm (c) Dieter Wunderlich


"Eigentlich" lese ich jedes Buch, das ich begonnen habe zu, zu Ende. Und "normalerweise" verbietet es sich, ist es geradezu ein "No go",  eine Rezension über ein Buch, das  man  nicht zu Ende gelesen hat, zu schreiben. Bereits anfangs, bei den ersten Kapiteln, keimte der Wunsch in mir, von o.a. "eigentlich" mal abzuweichen. Noch widerstand ich der Versuchung. Gegen Buchmitte war ich gar froh darüber. Aber nach einem "Lesefortschritt 66 %" war es mir dann doch zuviel, zu wirr, zu skurril, zu anstrengend. Ja, ich war fast erschöpft und mein E-Book zuzuklappen, kam mir vor, als sei eine Last von mir genommen. Harte Worte eines Hobbyrezensten über die Arbeit einer so bekannten, renommierten Schriftstellerin. Aber dazu unten mehr.
Juli Zeh erzählt in diesem ihrem Erstlingswerk die Lebensgeschichte von Max , der zunächst zum anerkannten Juristen für Völkerrecht aufsteigt um dann - u.a. nachdem sich seine Jugendfreundin Jessie während eines Telefonats mit ihm erschoss und infolge seiner Rauschgiftsucht - tief zu fallen. Begleitet wird er dabei von Clara, eigentlich Lisa Müller, ihres Zeichens eine Art Seelentrösterin o.ä. nächtens bei einem Radiosender und zugleich Psychologiestudentin.  Neben Jessie, die die Tochter des Drogenbarons Herbert war, spielen der Professor von Clara, genannt "Schnitzler", die Sektretärin von Max, Maria, die Dogge Jacques Chirac, Shershah, der der Sohn des iranischen Botschafters in Äthiopien ist, Claras Tontechniker Tom, Jessies Bruder Ross, der renommierte Völkerrechtler Rufus, das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die UCK, Serbien, Albanien und ... wesentliche Rollen. Alles klar?
Shershah, der Sohn des iranischen Botschafters in Äthiopien,

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Zeh-adler-engel.htm (c) Dieter Wunderlich
Juli Zeh macht, während  sie o.a. Akteure handeln lässt, massenhaft Zeitsprünge, wechselt die Szenen jeweils unangekündigt, unerwartet; nicht von Kapitel zu Kapitel sondern von Absatz zu Absatz. Sie macht das allersdings  geschickt;  lässt den Leser nicht zweifeln, wo und wann er sich befindet, aber dennoch.... es strengt an. Zuweilen wird das wettgemacht, durch sehr berührende, kunstvolle Formulierungen. So um nur wenige Beispiele zu nennen (Kap.14, erste Sätze): "Durch das kleine quadratische Treppenhausfenster sehe ich den Mond, er liegt in Wolkenwirbeln versunken wie auf dem Grund einer Sahneschüssel. Die Sonne hat ihm einen zerwühlten, nassgeschwitzten Himmel hinterlassen und ist aufgestanden, um ihm für ein paar Stunden  das Bett zu überlassen." oder (Kap. 15) " Am Horizont ist jetz ein hellerrrrrrrrrrrr Streifen, die Nacht hebt ihren fetten schwarzen Arsch, mit dem si auf der Landschaft sitzt, langsam vom Rand der Schüssel ab" oder (drittes und letztes Zitat aus Kap.19 "... und der Tag Schrittchen für Schrittchen nach Westen davonkriecht."   Schön! Und u.a. deshalb schreibe ich diese Rezension, obwohl das Buch nicht zu Ende gelesen wurde.  Und dennoch: Hätte ich Adler und Engel als gedrucktes, gebundenes  Buch, stünde es jetzt nicht im Regal im Wohnzimmer, sondern im Büchertauschschrank neben dem Marktplatz..
Es ist gut zu wissen, dass Juli Zeh gerade erst 27 war, als dieser ihr Debütroman erschien, dass er geschrieben wurde als "Funktelefone" und "Kosten für Ferngespräche" eine Rolle spielten  und dass sie sich danach mit "Nullzeit" und "Unterleuten" und "Über Menschen" so enorm gesteigert hat. Ich will nicht soweit gehen, hier von Zeitverschwendung zu schreiben, aber es gibt Besseres; speziell von Juli Zeh.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres; 
insbesondere von Juli Zeh

Zeitverschwendung

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Thomas Mann

  Der Zauberberg


  Rezensionsdatum: 13.07.2021

Verlag:  Fischer-Taschbuch ;  Erscheinungsdatum: 1.4.91 ; Seitenzahl: 1002 ;  ISBN 10: 3-596-29433-9

Umschlagillustration: "Neige, Opio"; Foto von Jacques-Henri Lartigue, 1945


Nach vielen Jahren und ein Stück weit müde und abgeneigt von der Masse statt Klasse (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) des gegenwärtigen, aktuellen Literaturangebots, widmete ich mich wieder diesem zwischen 1913 und 1924 entstandenen Klassiker der Bildungsromane. Dass ich mich aktuell nach einem Fahrradunfall ebenso wie der Vetter von Hans Castorp, Joachim Ziemßen, in der Rekonvaleszenz befinde und ebenfalls wie einige der weiteren Insassen des Lungensanatoriums in Davos, das in dem Buch beschrieben wird, auf die Heilung eines Pneumothorax hinarbeite, motivierte mich zusätzlich. Durch die Unfallfolgen dazu gezwungen, mich wie Hans und Joachim in eine Art „Liegekur“ zu begeben, hatte ich somit Zeit und Muße, mich wieder den über 1000 Seiten und dem Schreibstil dieses großen Literaten zu widmen. Thomas Mann schreibt nicht – um nur ein Beispiel zu nennen – „Am Abend sank die Temperatur“; er schreibt (Zitat aus dem ersten Kapitel) „Da ein Wind sich aufgemacht hatte, wurde die Abendkühle empfindlich“.

Insgesamt ist er ein Fest, dieser Roman. Ein Fest der Worte, der Gedanken, der Sätze. Welch ein Reichtum in unserer sprachverarmuteten Zeit. Sätze über fast eine Buchseite, die jedem Gymnasiasten viele rote Korrekturen einbrächten; aber welcher Gymnasiast könnte solche Sätze formulieren? Ein Feuerwerk an Bildung eines großen Schriftstellers. Seinerseits damals animiert durch eine Tuberkulosererkrankung seiner Frau Katia, führt Thomas Mann den Leser an der Seite von Hans Castorp, der statt der geplanten 3 Wochen sieben Jahre auf dem Zauberberg bleiben muss und will, durch eine morbide Sanatoriumsgesellschaft, bevor diese - wie ganz Europa - im Chaos des 1. Weltkrieges versinkt.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung

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Guillaume Martin 

Sokrates auf dem Rennrad

Erscheinungsdatum: 24.02.2021 ;  Rezensionsdatum: 08.06.2021 

Format: Kindle;  ISBN 10:  3957260531  ; Verlag: Cavadonga ;  Seitenzahl der Printausgabe:  208


Ohne jeden Zweifel ist der 1993 in Paris geborene Guillaume Martin ein ausgezeichneter Sportsmann, ein hervorragender Radrennfahrer! Die Tour de France 2017 beendete er als 23. der Gesamtwertung. Die Tour in 2018 als 21., 2019 wurde er Gesamtzwölfter und in 2020 erreichte er seine bis dahin beste Gesamtplatzierung und wurde Elfter. Das sagt ganz, ganz viel. Dass er zudem an der Universität Nanterre ein Philosophiestudium erfolgreich abschloss ist umso anerkennenswerter.
Für mich war es reizvoll zu erfahren, ob er darüber hinaus gar noch ein guter Schriftsteller ist und ob es ihm gelungen ist, zwei derartig unterschiedliche Themenfelder wie Leistungssport und Philosophie in einem Buch sinnvoll zu verweben. Seine - letztlich doch sehr schräge - Idee war es, berühmte Philosophen unterschiedlichster Epochen und Herkunft unter Außerachtlassung ihrer Lebenszeit vor Jahrhunderten oder Jahrzehnten (Aristoteles, Platon, Sokrates, Nietzsche, Immanuel Kant, Karl Marx, Diogenes, Siegmund Freud, Heidegger, Jürgen Habermas, Heraklit, Marc-Aurel, Machiavelli, Spinoza,  (und gar Albert Einstein (!) den er auch zu den Philosophen zählt) soz. wiederauferstehen zu lassen und zu simulieren, sie seien in der Jetztzeit Mitglieder eines Tour de France -Teams !! Das Cover veranschaulicht diese verrückte Idee recht gut. Der Gedanke insges. ist jedoch sehr, sehr gewagt. Letztlich ein Experiment, das nicht so originell ist, wie es zunächst erscheinen mag und das weder zum Etappensieg und schon gar nicht zum Gelben Trikot führt.  Gar nicht passend fand ich zudem, daneben noch die Namen ehemaliger Radrennfahrer - speziell deutscher - zu verballhornen (z.B. Jaques Anquepil, Rudi Altich, Erik Zadel, Jens Vogt, Jan Ullrig, …).
Dass G. Martin in einem Nachwort seine Überlegungen zu erklären – man könnte auch sagen zu rechtfertigen – versucht und gar selbst von „haarsträubender Fiktion“ (!) spricht, versöhnt mich auch nicht mit ihm und macht das Buch auch nicht zu einem kurzweiligen Lesegenuss.
Ich komme als Gesamtfazit zu "Es gibt Besseres" und ich verweise zum Beleg dafür alle Literatur- und zugleich Radsportinteressierte auf Benjo Maso "Der Schweiß der Götter" und insbes. auf Wilfried de Jong "Ein Mann und sein Rad"

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung

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Juli Zeh

Über Menschen

Erscheinungsdatum: 22.03.2021 ;  Rezensionsdatum: 10.05.2021 

Format: Kindle;  ASIN: B08MCCT78N ; ISBN 978-3-630-87667-2 ; Verlag: Luchterhand ;  Seitenzahl der Printausgabe: 417


Vorbemerkung: Von Juli Zeh stammen u.a. auch die hier ebenfalls rezensierten Werke "Unterleuten", "Schilf", "Leere Herzen" und "Nullzeit". Das Besondere an "Über Menschen" ist auf den ersten Blick seine herausragende Aktualität. Konkret seine Bezüge zur aktuellen Corona-Pandemie. Näher am Puls der Zeit kann ein Roman nicht sein! Wie schafft es eine Autorin in einen am 22. März 2021 veröffentlichten Roman so viele Aspekte einzubauen, von denen sie 12 Monate vorher keine Ahnung hatte; keine Ahnung haben konnte? Diese Einschätzung sei hier erlaubt, da Juli Zeh ansonsten nicht nur Schriftstellerin, Juristin und Richterin an einem Landesverfassungsgericht, sondern zudem hellseherische Epidemiologin sein müsste.
Inhalt und Bewertung: Dora, Marketingfachfrau, flieht aus der Hauptstadt; flieht vor dem Lockdown und vor ihrem Partner Robert, der übergangslos vom Greta-Thunberg-Anhänger zum überzeugten Corona-Mahner und zum fanatischen Verfechter aller Corona-Schutzmaßnahmen mutierte. Mit der Wandlung des Robert zeichnet Juli Zeh eine derzeitige Entwicklung in unseren Medien und in unserer gesamten Gesellschaft nach:  Die Klimakatastrophe ist nicht mehr DAS Nr.1-Thema.  Dora flieht also aus Berlin nach Brandenburg, genauer in die Prignitz im nordöstlichen Zipfel des Landes, noch genauer - und dann fiktiv - nach Bracken.  Ihr Leben wird ab da bestimmt, durch ihre Kontakte mit den an der Zahl wenigen, in ihren Strukturen um so vielfältigeren Nachbarn. Allen voran Gote, der sich selbst als Dorfnazi bezeichnet, mit seinen Kumpels beim Saufen im Garten das Horst-Wessel-Lied singt, wie sich später zeigt, gar in eine Messerstecherei verwickelt war und von daher jemand ist, mit dem Dora beim besten Willen nicht in Kontakt kommen will. Und mit dem sie in Berlin auch nie in Kontakt gekommen wäre (Zitat aus Kap. 50:  "... die sich auf Tinder niemals begegnet wären. Dafür hätte der Algorhitmus gesorgt."). Anders in Bracken. Und dann zeigt sich, dass Gote nicht nur in dieses o.a. Raster passt, dann kommen doch auch ganz andere Charaktereigenschaften in ihm zum Vorschein. Das Besondere an "Über Menschen" - neben der oben schon erwähnten Aktualität -  ist es somit, dass es Juli Zeh gelingt, das Entstehen von Nähe zwischen zwei Menschen ungeachtet ihrer ansonsten  miserablen Übereinstimmungswerte zu schildern. Das Buch ist somit auch ein Plädoyer dafür, in anderen Menschen nicht nur das zu sehen, was einem als Erstes auf- und einfällt; ihnen auch eine Chance zu geben, aus der Schublade, in die man sie zunächst gesteckt hat, wieder ein Stück weit raus zu kommen.
Fazit: Dennoch hat das Werk hat nicht ganz die Klasse von dem hier ebenfalls rezensierten "Unterleuten". Ein Grund liegt darin, dass sich viele Kernaspekte aus "Unterleuten" in "Über Menschen" wiederholen. Zu nennen wären die Stadtflucht aufs Land, nach Brandenburg, das Trügerische an der Landidylle, die verschrobenen Mit-Dorf-Bewohner, die Buchtitel (einmal in einem Wort, hier in zwei Wörtern, aber stets ausgesprochen zweideutig) u.a.m. Punktabzug auch deshalb, weil es überfrachtend wirkt, in "Über Menschen" neben Corona auch noch das Thema black lives matter und George Floyd einzubauen. Des Weiteren ragt "Unterleuten" durch das was es zu einem - über das vorliegende Buch hinausgehenden - Gesamtkunstwerk macht (die zusätzlichen - realen und doch fiktiven - Websites und die Rolle des Manfred Gortz)  über vergleichbare Literatur hinaus. Diese ganz besonderen, zusätzlichen kreativen Merkmale fehlen in "Über Menschen".  Vielleicht ein Tribut zugunsten der Aktualität.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

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