Buchrezensionen von  ...
Eberhard_Landes_20170609_GreenLakeWhistler.jpg
Eberhard Landes
Meine ganz privaten Literaturempfehlungen (Bücher, die ich einpacken werde, wenn ich reif bin für die Insel) sind:
"Bildung" von Dietrich Schwanitz (weil ich mich wohl auch dann noch wundern werde, was ich alles nicht weiß),
"Sturz ins Leere" von Joe Simpson (weil es so unbegreiflich ist, was Joe Simpson erlebt hat),
"Qi Gong" von  Kenneth Cohen (weil es so viele Geheimnisse in sich birgt),
"Allein auf den Everest" von Göran Kropp (weil er meine Hobbies Radfahren und Klettern "brutalst möglich" kombiniert hat),
"Narziß und Goldmund" von Hermann Hesse (weil es mir von allen Klassikern das liebste Buch ist).
Und dann natürlich all die guten (... und zum Vergleich evtl. auch die schlechten) Bücher, die ich hier rezensiert habe.
Klicken Sie unten entweder auf  die verlinkten Namen der  Autoren oder auf die Links zu den Buchtiteln:

Belletristik

 

Sachbücher


Liste der

74
Autoren

 
Liste der
104
Titel

 
Liste der
31
Autoren

 
Liste der
32
Titel

Alanyali, Iris

Aramburo, Fernando

Bambaren, Sergio
Bettinger, Martin
Beigbeder, Frederic
Binding, Tim
Borger und Straub
Bourdouxhe
, Madeleine
Bryson, Bill
Brown, Dan
Buhl, Marc

Carofiglio, Gianrico

Coello, Paulo
Cross, Donna W.

Eschbach, Andreas

Dische, Irene
Dörrie, Doris
Drokur, Bernhard

Dürrenmatt, Friedrich

Eggers, Dave

Falk, Rita

Ferrera Catalina
Fitzek, Sebastian
French, Nicci
Fried, Amelie

Genzmer, Herbert
Gruber, Lilli


Helfgen, Heinz
Hesse, Hermann

Heidenreich, Elke
Hammesfahr, Petra
Hoffman, Jilliane
Houellebecq, Michel

Illies, Florian
Jaud, Tommy
Jensen, Carsten
Jonasson, Jonas
de Jong, Wilfried

Kehlmann, Daniel

Klüpfel, Volker
Klonovsky, Michael

Kobr, Michael
Krächan, Brigitte

Kuhlmann, Heinrich

Leon, Donna

Mann, Thomas
Mankell, Henning
Mayle, Peter
Mercier, Pascal

Meyerhoff, Joachim

Moore, Tim
Morgan, Marlo

Mosley, Walter

Münzer, Hanni

Rademacher,  Cay
Read, Oliver
Rech, Kerstin
Rosendorfer, Herbert
Roth, Philipp

Safier, David
Schätzing, Frank
Schlink, Bernhard
Schreiber, Claudia
Schröder, Bernd

Seltmann, Ingeborg
Suter, Martin

Twilfer, Kai
Tschirnt, Christiane

Williams, John

Wagendorp, Bert

Walser, Martin
Weiler, Jan

Zafon, Carlos Ruiz

Zeh, Juli

Zweig, Stefan

 

Absterbende Gemütlichkeit

Alle Toten fliegen hoch - Amerika

Allmen und die Libellen

Alpenpässe und Anchovis

Anleitung zum Unschuldigsein
Antonio im Wunderland
Auf der
Suche nach Marie

Belas Sünden

Beerholms Vorstellung
Breaking News

Bücher, Alles was man lesen muss

Cliffhanger
Cupido

Dampfnudelblues
Das Erbe

Das Gesetz der Lagune

Das Jesus Video
Das perfekte Spiel
Das selbstfahrende
Bett
Das sterbende Tier
Das weiße
Segel
Das
Wochenende

Der Alchimist
Der Circle
Der
Dämon und Fräulein Prym
Der letzte Weynfeldt
Der
Verdacht
Der Schwarm

Der Teufel von Mailand

Der weiße Schmetterling
Der
Zauberberg

Die Analphabetin, die rechnen konnte
Die blaue Reise
Die große
Umwendung
Die
Heimkehr 
Die dunkle Seite des Mondes
Die Liebhaber meiner Frau
Die Päpstin
Die rote Antilope
Die Therapie
Die
Schachnovelle
Die Vermessung der Welt
Die Zeit, die Zeit
drei sieben fünf

Ein
Liebhaber ungerader Zahlen
Ein Mann und sein Rad
Ein
Strand für meine Träume
Ein perfekter Freund

Emmas Glück
Encore 
Provence
Erntedank

Großmama packt aus

Heute keine Schüsse

Höhenangst

Honigtot    

Horst allein zu Haus

Ich radle um die Welt

Illuminati

Im Gehege

In meinem kleinen Land

Kalte Rache

Land der Wunder

Lautlos
Lea
Letzte Etappe Mont Ventoux
Liebesfluchten

Mehr Zeit mit Horst
Mein Jahr in der Provence
Mieses Karma
Milchgeld

Mörderischer Mistral

Monolog in Schwarz

Nachtzug nach Lissabon

Narziß und Goldmund
Neununddreissigneunzig

Nullzeit

Patria
Picknick mit Bären

Rasmussens letzte Reise
Rauhnacht

Rechtspfleger Grothjahn

Reise in die Nacht

Resturlaub

Ruhm

Sankt Martin

Schantall, tu ma die Omma winken

Seegrund

Small World 

Solange es Schmetterlinge gibt

Spanische Delikatessen

Spiel des Engels

Stoner
Streifzüge durch das Abendland

Tod eines Kritikers 

Traumreisende

Tyll

Überleben 

Unterleuten

Unterwerfung 

Und was wird aus mir

Ventoux

Verborgene Laster und andere
Geständnisse

Verschwiegene
Kanäle
Vollidiot

Wann wird es endlich wieder so
wie es nie war

Winterkartoffelknödel

 

Bryson, Bill

Berggruen, Heinz

Erat, Elena u. Materne, Peter

Durrell, Lawrence

Grönemeyer, Dietrich

Gottschalk, Thomas

Harrer, Heinrich 

Häusler, F. Richard

Illies, Florian

Kerkeling, Hape

Klonvosky, Michael

Koldehoff, Stefan




Maso, Benjo



Penn, Robert

Plaum, Wätzold

Poser, Manfred

Rech, Kerstin

Reich-Ranicki, Marcel

Röhm, Uli

Scherer, Klaus

Schirrmacher, Frank

Schmidt, Helmut

Schmidt, Walter 

Sick, Bastian

Sieböck, Gregor

Steinbrück, Peer

Timm, Tobias


Voigt, Wilfried

Wickert, Ulrich

Winchester, Simon

 

1913

Am Ende der Eiszeit

Das Methusalem-Komplott

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge 2-

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Folge 3-

Der kleine Medicus

Der satirische Kreuzfahrt-Flüsterer

Der Weltenwanderer

Der Mann, der die Wörter liebte

Der Schweiß der Götter

Die Wiki-Revolution


Eine kurze Geschichte von fast allem

Falsche Bilder - Echtes Geld


Hauptweg und Nebenweg

Ich bin dann mal weg

Ich lenke, also bin ich

In der Provence

Lebenswerte

Mein Leben (Reich-Ranicki)

Mein Leben (Harrer)

Praktische Personalführung 

Radfahren

Radsport furios

Radabenteuer Welt

Spektakuläre Kriminalfälle im Saarland

Tatort Autobahn

Vom Glück auf zwei Rädern

Vom Glück Franzose zu sein


Zeit zu handeln

Zug um Zug



cover_spanische_delikatessen.jpg

Catalina Ferrera:  

  Spanische Delikatessen

Erscheinungsdatum:  26.02.18 ;   Rezensionsdatum: 10.05.19

Verlag:  Droemer e-book

 Format: Kindle;  Seitenzahl der Printausgabe: 304 ;  ASIN: B06Y1626KY 

Hier präsentiert uns eine Autorin, deren Name für dieses Buch nicht typischer sein könnte als er ist (wen wundert's, er ist ja auch ein Synonym, und zwar für Eva Siegmund) einen netten, flott und leicht zu lesenden Barcelona-Krimi. Bevorzugt dann zu lesen, wenn man sich womöglich gerade auf einer Reise in die katalonische Hauptstadt befindet oder schon dort weilt. Schon das Cover mit Gaudis letztem Meisterwerk, der berühmten Sagrada Familia, und dann der Roman voller Lokalkolorit machen Lust darauf, vor Ort all die genannten Viertel und Plätze (Passeig del Born, die Altstadt Ciutat Vella, die Stadtviertel Barceloneta, El Besos, Barri Gotic und El Raval, ... ) aufzusuchen und die beschriebenen Delikatessen mit Tapas und einem Tempranillos sowie einem Hierbas danach zu genießen.
Nur beim Schinken, beim Jamon, wird der Leser des Buches sicher vorsichtig zurückhaltend sein, denn ein solcher spielt in dem Roman eine wichtige Rolle. N
icht etwa ein Jamon Serrano oder ein Jamon Iberico wie man meinen sollte, da der Schinken doch in einem Feinkostgeschäft von der Decke hängt; nein - sonst wäre es ja auch kein Thema für einen Krimi - einer aus Menschenfleisch hängt dort und zwar noch mit dem Aufdruck "100% carne humane". Das makabre, widerliche, abstoßende Teil ruft natürlich die Mossos d`Esquadra (die Geschwaderjungs, die Polizei von Katalonien) auf den Plan. Die besteht neben dem ortsansässigen Alex aus Karl, einem Deutschen irischer Abstammung, der seiner spanischen Frau, zugleich Schwester von Alex, zuliebe mit ihr und ihrem gemeinsamen Sohn in Barcelona lebt. Halb aus Leidenschaft zu seinem früheren Beruf in Berlin und halb um seinem Schwager zu helfen ist er bereit, an der Aufklärung der Herkunft des mysteriösen Schinkens mitzuwirken und Alex zu helfen.
Anfangs wirkt dieser Einstieg gemäß dem Karl von Alex als Praktikant eingestellt wird, ein wenig gekünselt. Aber wenn man darüber mal hinweg ist und das einfach akzeptiert, findet man in die Geschichte gut rein. Man wünscht dem ungleichen Ermittlerpaar Erfolg bei der Aufklärung eines so myteriösen Falles.  Insbesondere  in der 2. Hälfte des Romans, nachdem ein Geständnis vorliegt und der Fall  scheinbar  aufgeklärt ist,
wird's richtig spannend . Denn Karl Lindberg glaubt - seinem kriminalistischen Instinkt folgend - nicht daran, dass der Geständige der Mörder ist und setzt seine Ermittlungen daher fort.
Historisches zum aktuell ja noch andauernden Konflikt zwischen Katalonien und Spanien ergänzen die Krimihandlung und Rezepte am Ende runden ihn ab.
Das Buch macht Laune, anschließend auch die Fortsetzungsbände  "Spanischer Totentanz" und "Spanischer Feuerlauf"  zu lesen. Bleibt zu hoffen, dass Eva Siegmund, excusa Catalina Ferrera, nicht alle ihre guten Ideen in den ersten Band gepackt hat.

 Meine Bewertung:

Für Geschichts- / Kunst- und Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung





cover_im_gehege.jpg

Martina Borger und Maria Elisabeth Straub:  

 Im Gehege

Erscheinungsdatum:  24.01.2006 ;   Rezensionsdatum:  28.02.2019

Verlag:  Diogenes

 Format: Taschenbuch ;  Seitenzahl : 384 ;  ISBN13: 978-3257235050

Ähnlich wie bei Volker Klüpfel und Michael Kobr hat man es hier mit einem Autorenpaar zu tun. Allerdings sind diese Beiden hier weiblich und viel weniger bekannt. Schade; nicht, dass sie weiblich sind, sondern dass sie weniger bekannt sind. Eigentlich wird eine simple und alltägliche Geschichte erzählt. Jon Ewermann, Lehrer an einem Hamburger Gymnasium, Anfang 50, Ehe kinderlos und mit den Jahren fade geworden, gewisse vorübergehende Verhältnisse mit anderen Frauen, die daraus resultieren. Soweit, so schlecht. Eines Tages  tritt Julie in sein Leben und alles ändert sich. Sie ist anders als alle anderen Frauen, sie ist schön und geheimnisvoll. Jon überschätzt sich enorm und ist zu allem entschlossen, was ihm eine gemeinsame Zukunft mit Julie möglich machen könnte. Er geht  hierfür über Leichen. Der Leser ahnt schon, das wird kein Happy End haben. Obwohl sich die Geschichte im Folgenden lang hinzieht, wird sie nicht langweilig; der Leser bleibt gespannt, weshalb meine Bewertung lautet "lohnt sich".  
Ach ja, der Titel: die Autorinnen fügen dem Roman Hamburger Lokalkolorit in Form realer Ortsangaben und Straßennamen hinzu und das Gehege ist ein Park mit Wildgehege in Hamburg-Niendorf.

 Meine Bewertung:

Für Geschichts- / Kunst- und Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung





cover_ruhm.jpg

Daniel Kehlmann:  

 Ruhm

Erscheinungsdatum:  1.11.2010 ;   Rezensionsdatum:  28.01.2019

Verlag:  rowohlt

 Format: Taschenbuch ;  Seitenzahl : 208 ;  ISBN13: 978-3499249266

9 Geschichten, Episoden, Kapitel - wie auch immer man es nennen mag -  sind es. Ist es trotzdem ein Roman? Die Frage bleibt; auch wenn der Leser, der zunächst an eigenständige, abgeschlossene Geschichten glaubt, bald merkt, dass diese subtil miteinander verwoben sind. Verwoben und verquickt, weil sich die Wege der Akteure kreuzen. Der Leser fragt sich, wo und wie und mit wem wird mir die oder der wieder begegnen.  Und wenn es dann geschieht, erhellt es natürlich den Blick auf das Gesamte. Aber insgesamt ist das zu wenig, um von einem wirklich guten Roman zu sprechen. 
Ein schaler Beigeschmack - um einen kulinarischen Vergleich zu ziehen - stellt sich auch dadurch ein, als man zunehmend den Eindruck hat, es weniger mit einem  Menü, sondern eher mit einem Resteessen zu tun zu haben. Will heißen: Der Autor hatte Ideen, Gedanken, Phantasien, Schnipsel einer Story, die für einen wirklichen Roman zu wenig her gaben, andererseits noch gut genug waren, um irgendwie verwertet zu werden und sie uns dann in "Ruhm" serviert; ... oder sollte ich eher sagen, "hingestellt" ? (Ein Aspekt, den man leider auch bei vielen Serienromanen erkennen muss: Das erste, das zweite Buch verkaufen sich gut; also wird alles, was nicht gut genug war, darin verwertet zu werden, aber auch nicht in der Ideenbox vergammeln soll, in einen dritten und vierten Band der Reihe gepackt). Hinzu kommt, dass einige Charaktere schlicht langweilen, wenn ihr Teil am Ganzen sich über 26 Seiten erstreckt, wie das mit dem Internetforenfreak Wollwitz und dessen konstruiertem Bloggerslang in dem Kapitel "Ein Beitrag zur Debatte" geschieht. 
Mein Fazit "Es gibt Besseres; speziell auch von Daniel Kehlmann, insbesondere sein Historienroman, zugleich Doppelbiographie "Die Vermessung der Welt" ist im Vergleich ein Bravourstück.
Von Daniel Kehlmann sind hier auch rezensiert: Tyll ,  Beerholms VorstellungDie Vermessung der Welt

 Meine Bewertung:

Für Geschichts- / Kunst- und Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung




cover_die_zeit.jpg

Martin Suter:

 Die Zeit, die Zeit

Erscheinungsdatum: 23.10.13  ;   Rezensionsdatum:  23.01.19

Verlag:  Diogenes

Format: Taschenbuch ;  Seitenzahl : 304 ;  ISBN13:  978-3257242614

Man nehme ein wenig Krimi, eine Prise Science fiction und eine Portion Philosophie. Als Story nehme man zwei unterschiedliche Männer, die sich einander nähern,  weil sie  an eine schier unmögliche Lösung glauben.  Das Ergebnis dieser Zutaten - insbesondere unter Hinzugabe des Autors Phantasie - liest sich flott und spannend. 

Die Nachbarn Thaler und Knupp haben beide ihre Ehefrauen verloren und  trauern; jeder auf seine Weise. Während Thaler sich eher hoffnungslos allem ergibt, scheint  Knupp eine Lösung gefunden zu haben. Er glaubt, den Verlust rückgängig machen zu können, indem er die Zeit zurückdreht. Mehr noch: nach seiner festen Überzeugung gibt es gar keine verstreichende Zeit, sondern nur voranschreitende Veränderungen. Ergo:  man muß - so seine Überzeugung - nur Veränderungen rückgängig machen und man befindet sich wieder an dem gewünschten Zeitpunkt.

Trotz dieser oder wegen dieser gewagten Theorie gewinnen die Akteure des Romans zunehmend des Lesers Sympathie. Ihr eigentlich doch unmögliches Projekt, die  Nichtexistenz der Zeit zu beweisen und dadurch ihre Ehefrauen von den Toten zu erwecken, schreitet voran; es finden sich Mithelfer; es finden sich nicht alltägliche Lösungen und das Vorhaben scheint gar von Erfolg gekrönt zu werden. Suter nimmt die Leser mit, indem er es versteht, sie dazu zu bringen, dass diese den Protagonisten diesen Erfolg wünschen und hoffen, dass Thaler und Knupp die Ausnahmesituationen, in die sie gebracht werden, meistern.  Die Dinge spitzen sich zu ... und am Schluss ...!? Lesen Sie selbst! Denn: 
Die Zeit, die Sie in "Die Zeit, die Zeit" investieren, ist gut genutzte Zeit. 

Warum dann keine bessere  Bewertung als "lohnt sich"? Warum kein "sehr empfehlenswert" oder gar mehr? Nun, es sind zum Einen gewisse Längen in der Mitte des Romans;  aber es ist primär der Schlus: Er ist nicht das furiose Finale, auf das man hofft. Er ist abrupt und er lässt den Leser nicht nachdenklich, sondern eher unbefriedigt zurück. Einen weiteren kleinen Minuspunkt gibt der Rezensent aufgrund folgender Einschätzung/Fragestellung: Wenn das "Hier" und  das "Jetzt" für den Raum und die Zeit stehen, vernachlässigt Suter das "Hier", d.h. man fragt sich, warum handelt es sich bei dem Raum um die Wohnsiedlung, um Teile der Straße und nicht um einen kleineren Raum wie z.B. das Haus oder um einen größeren Raum wie z.B die Stadt. Aber der Titel ist ja auch "Die Zeit, die Zeit" und nicht "Die Zeit u. der Raum".

Von Martin Suter sind hier auch rezensiert: Der letzte Weynfeldt, das sehr gute Buch  Die dunkle Seite des Mondes sowie Small World und Ein perfekter Freund
und Der Teufel von Mailand

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung




[Seitenanfang] [Home]

cover_der_circle.jpg

Dave Eggers:

  Der Circle

Erscheinungsdatum: 14.08.14 ;   Rezensionsdatum:  11.01.19

Verlag:  Kiepenheuer & Witsch eBook

Format: Kindle eBook ;  ASIN: BOOK11SS3E; Seitenzahl der Printausgabe: 552 

Kennen Sie Michel Houellebecq und sein hier ebenfalls rezensiertes Buch „Unterwerfung“? Man ist beim Lesen geneigt zu sagen „Nein, so kann sich das nicht entwickeln, so wird das nicht kommen." Und dann kommen Einem Zweifel und man schränkt ein: "Zumindest in allzu naher Zukunft nicht“ ergänzt man dann, weil man erkannt hat, dass es in der Gegenwart eben doch schon so manches Anzeichen für eine Entwicklung dahin gibt. So ähnlich wird es Ihnen ergehen, wenn Sie „Der Circle“ lesen und dabei unweigerlich Amazon, Google, Apple, Facebook, Instagram,Twitter u. weitere Unternehmen dieser Art in ihrer heutigen Form und ihren heutigen Praktiken und Geschäftsideen mit der dann gar nicht mehr so utopischen Welt des Circle vergleichen. Geht es bei „Unterwerfung“ um die Ausbreitung des Islam, so geht es beim Circle um die Entwicklung der Digitalisierung, um schwindenden Datenschutz, um die Aufgabe alles Persönlichen und letztlich gar um falsch verstandene Demokratie. Mit dem Vergleich soll keinesfalls gesagt werden,  Eggers habe sich von  Houllebecq inspirieren lassen; schließlich ist "Der Circle" in englischer Fassung schon zwei Jahre vor  "Unterwerfung" erschienen. "Honi soit qui mal y pense" es sei umgekehrt gewesen.
Natürlich könnte man daher auch  weiter zurückgehen und - statt auf Michel Houllebecq und 2015  - auf Georges Orwell und sein 1949 erschienenes „1984“ zurückgreifen; auch hiervon scheint mir „Der Circle“ die mehr oder weniger logische Fortschreibung eines aktuellen, brisanten Themas zu sein.

Soviel zu Einordnung; nun zum Inhalt:  Die 24-jährige Mae Holland hat einen Job in einem kalifornischen Internetkonzern angetreten, der zuvor nahezu alle Unternehmen der vorgenannten Art vereinnahmt hat und alle dort Registrierten samt sämtlicher ihrer Daten unter einer einzigen Internetidentität zusammengefasst und der damit jegliche Anonymität im Netz beseitigt hat. Der Circle spielt in einer Welt, in der es keines Hackerangriffs zur Gewinnung von Daten mehr bedarf, weil eh alle Daten öffentlich zugänglich sind. Die Bewahrung von Persönlichem, von Geheimnissen und Intimen sind in dieser Welt ein Affront gegenüber den Mitmenschen, der nicht geduldet wird. Mae verinnerlicht all das, macht es immer mehr zu ihrer Überzeugung und wird so beim Circle immer mehr zur Vorzeigemitarbeiterin; sie macht mächtig Karriere und treibt den Wahn, Alles müsse transparent sein, auf die Spitze. In ihrer Denke könnte der Circle auch Regierungen und Parlamente ersetzen.Die Bedenken einiger Weniger aus ihrem privaten Umfeld ignoriert sie. Wie jedoch wird sich die Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen entwickeln? Wird sie alles durcheinander bringen?

Es ist eine Phantasiewelt, aber wohl kaum eine phantastische Welt; auf jeden Fall aber ist "Der Circle" ein phantastisches, empfehlenswertes Buch. Dies obwohl Dave Eggers -  m.E. völlig unnötig - glaubte, der Handlung noch einen Schuss Erotik (schon wieder muss der Rezensent an Houllebecq denken) beimischen zu müssen, was die literarische Qualität des Buches mindert, weil der Roman dadurch passagenweise ins Triviale abgleitet. Zweite kritische Anmerkung: Bei allem Verständnis dafür, dass der Autor den Leser dazu anregen will, die Fortsetzung der Entwicklung für sich selbst zu Ende zu denken, ist mir der Schluss dann doch zu abrupt.

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung






cover_der_w_schmetterling.jpg

Walter Mosley:

  Der weiße Schmetterling

Erscheinungsdatum: 1992;   Rezensionsdatum:  27.12.18

Verlag:  btb

Taschenbuch: 255 Seiten; ISBN-13: 978-3442720934 

Der Roman spielt in den 1950er Jahren in Los Angeles und dort im von Säufern, Raub, Schlägereien, Prostitution und Morden geprägtem Milieu. Der Ich-Erzähler ist ein Farbiger, der noch im 2. Weltgkrig war und nun mit dubiosen Geschäften sein nicht gerade üppiges Einkommen verdient. Er ist so ein Art V-Mann der offensichtlich überforderten Polizei und versucht mit ihr die Morde an 4 Frauen des Milieus aufzuklären .

Mit fortschreitender Story wird dies leider immer etwas wirrer und es fällt dem Leser schwer, Walter Mosley zu folgen. Auch die Entscheidung der Übersetzer den Slang des Amerikanischen, dessen sich die Akteure bedienen im Deutschen nachzubilden, nachzuahmen, verliert mit zunehmendem Lesefortschritt, ihren Reiz.

Letzlich mündet der Roman in der Erkenntnis, dass die damalige, dortige Polizei von Recht wohl ebenso wenig hält wie der Teil der Bevölkerung LAs, dem die Romanfigurgen angehören. 

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung





cover_rechtspfleger_grothjahn.jpg

Heinrich Kuhlmann:

  Rechtspfleger Grothjahn

Erscheinungsdatum: 1935; Neuauflage: 2008 ; Rezensionsdatum:  27.12.18

Verlag:  Bund deutscher Rechtspfleger, Landesverband Hamburg

Gebundene Ausgabe: 201 Seiten; ISBN-13: keine

Ganz ganz zufällig fiel mir dieses Buch in die Hände und animiert durch die hier ebenfalls rezensierten Bücher „Heute keine Schüsse“ von Brigitte Krächan sowie „1913“ von Florian Illies begann ich mit der Lektüre; spielt doch die Handlung ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Sehr schnell stellte sich heraus, dass neben der Zeitachse das erzählerische Moment der jeweiligen Hauptprotagonisten eine weitere Parallelität mit „Heute keine Schüsse“ darstellte. Ansonsten aber hat „Rechtspfleger Grothjahn“ ein andere, besondere Geschichte: Der bereits 1935 erschiene Roman, der so gar nicht in die damalige Zeit passt, beschreibt das Leben des Heinrich Grothjahn ab seiner Schulentlassfeier im Jahr 1897 bis in das Jahr 1933.

Sein Berufswunsch,  Musiker zu werden, wozu seine wallende Künstlermähne gepasst hätte, lässt sich nicht realisieren; stattdessen schlägt Heinrich eine Beamtenlaufbahn ein und strebt als „Einjähriger“ (ein Schulabschluss, den wohl heute kaum ein Jugendlicher noch kennt, der aber den Rezensenten an seine eigene Schulzeit und die Schwierigkeiten, diesen zu erreichen, denken lässt) das Ziel an, „Hilfsschreiber am Gericht“ zu werden. Humorvoll wird seine Karriere in diesem Metier, das aus heutiger Sicht natürlich sehr beschaulich anmutet, beschrieben. Zudem finden das Private, Heinrichs Familie, seine Liebe zu Grete, die Wirren und Leiden des Krieges und seine spätere glückliche Ehe mit Armide sowie die Entwicklung des Berufsstandes, der Weg zum Rechtspfleger als Beamten des gehobenen Dienstes,  ihre angemessenen Plätze auf den rund 200 Seiten.

Wie schreibt Heinrich Kuhlmann im Jahr 1935 doch so schön in seinem Epilog über Heinrich Grothjahn: „Es wird noch mal die Zeit kommen, in der man seiner gedenkt.“ Der Bund der Rechtspfleger hat das im Jahr 2008 getan, indem er das Buch neu herausgab und damit u.a. mir die Möglichkeit geschaffen, es im Jahr 2018 auch zu tun.  Daher meine Anerkennung  und mein Dankeschön an Volker Laedtke vom Bund der Deutschen Rechtspfleger. Der Roman sollte für Justizbeamte ein Muss sein und ist darüber hinaus auch anderen Staatsdienern sehr zu empfehlen.

Auch die Tuschezeichnung von Marlies Schaper auf dem Titel, die verschiedene Personen vor einem Hamburger Justizgebäude darstellt,  soll hier nicht ungelobt bleiben, da sie einen so guten Eindruck der damaligen Zeit vermittelt.

Schade, dass ein Buch nicht merkt, dass man es aus der hintersten Ecke eines Büchertauschschranks gekramt hat (soviel zum „ganz zufällig“ eingangs) und dass man ihm  nach der Lektüre einen besonderen Platz im Bücherregal einräumt.

 Meine Bewertung:

Für  Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung

 




cover_kalte_rache.jpg

Brigitte Krächan:

  Kalte Rache - Ein Fall für Schmalenbeck und Paulsen

Erscheinungsdatum: 4.7.17 ; Rezensionsdatum:  12.12.18

Verlag: dot.books.com

Gebundene Ausgabe: 275 Seiten; ISBN-13: 978-3-95824-990-5
Rezensiert auf Basis des Formats Kindle Edition; ASIN:  B073FRSTZH
Wenn ich "Kalte Rache" mit "Heute keine Schüsse" vergleiche, stellt sich mir die Frage "Wie kann eine Autorin nur so unterschiedliche Bücher schreiben?". Damit meine ich nicht nur das Genre, sondern insbesondere die Qualität, denn "Kalte Rache" ist trivial.
Es geht in dem Büchlein um den mysteriösen Tod eines Erben einer großen Kaffeerösterei im Milieu von Transsexualität und SM-Praktiken. An der Aufklärung des Mordes müht sich ein ungleiches Pärchen zweier Kriminalbeamter ab. Authentisch wirkt dabei allenfalls die männliche Hälfte. Der Chef der Beiden wird zur Witzfigur degradiert.
Ich las das Buch halt zu Ende; permanent in der Erwartungshaltung, dass sich meine Meinung darüber vielleicht doch noch zum Positiven wendet. Und zweitens, weil ich mich der Autorin aufgrund ihres hier ebenfalls rezensierten, hervorragenden Werks "Heute keine Schüsse" irgendwie verpflichtet fühlte. Aber "Kalte Rache" ist ganz sicher kein Buch, das man sich -  nachdem man es als e-book zu Ende gelesen hat - als gebundenes Buch fürs Regal wünscht und dem man dann - bevor man es dort abstellt -  noch einmal liebevoll über den Einband streichen möchte. Meine Bewertung lautet "Es gibt Besseres" und ich möchte betonen, auch von dieser Autorin!

 Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung

 


[Seitenanfang] [Home]

cover_h_k_sch.jpg

Brigitte Krächan: Heute keine Schüsse

Erscheinungsdatum: 24.04.2018 ; Rezensionsdatum:  26.10.2018

  Verlag: tredition

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten; ISBN-13: 978-3746917757;
Rezensiert auf Basis des Formats Kindle Edition; ASIN
: B07D74X9ZX
Als ich Gelegenheit hatte, auf einer Buchmesse mit der Autorin zu sprechen und sie mir ihre Idee zu dem Buch und die für deren Umsetzung erforderliche enorme  Recherchearbeit schilderte, wusste ich natürlich noch nicht, wie hervorragend sie diese Idee umgesetzt hat und mit welch großartigem Werk ich es hier zu tun haben werde. Es sei mir erlaubt, diese Einschätzung und Einstufung nicht als Fazit bzw. Resümee der Rezension am Schluss zu ziehen, sondern einleitend voran zu stellen.
Nun aber der Reihe nach: Noch unter dem Eindruck von Florian Illies "1913" schien es mir sehr logisch, geschichtlich unmittelbar anschließende Literatur zu lesen und was passte da besser als dieser Roman, der exakt die Zeit von 1914 bis 1933 beschreibt. Hierbei ist "beschreiben" insofern wörtlich zu verstehen, als das von Brigitte Krächans Hauptprotagonist, dem Galeriegehilfen Walter Schachtschneider, in dieser Zeit geführte Tagebuch den roten Faden, den Plot, wie man heute sagt, darstellt. 
Der Schreibstil in Tagebuchform ist natürlich nicht der für einen Roman typische; es sind  oft nur kleine, aus wenigen Zeilen bestehende Einträge pro Kalendertag;  zuweilen auch - für sich allein genommen - eher unbedeutende Details; aber sie sind wie Puzzlesteine, d.h. sie als Teile des Ganzen ergeben in  ihrer  Zusammensetzung das Gesamtbild.
Zunächst geht es in dem Tagebuch um den Krieg, den man später den 1. Weltkrieg nennen wird und den Walter qualvoll erleben musste. Das Buch hat meine Vorstellung hierüber verändert. Meine beiden Großväter waren in diesem Krieg, aber zu gemeinsamen Lebzeiten in den 1960er/1970er Jahren, war ich zu jung um zu verstehen, was sie nach meiner Erinnerung manchmal und widerwillig davon erzählten.
Ein hochsympatischer Gutmensch ist der Tagebuchschreiber Walter, der uns hier über diese schlimme Zeit berichtet. Und weil er nach dem Krieg in einer Kunstgalerie arbeitet, erfährt der Leser gewissermaßen en passant sehr viel über z.B.  Im- und Expressionismus, über Dadaismus, den blauen Reiter, das Bauhaus usw... Die zusätzliche Auflistung all der Namen der Künstler, die mit diesen Stilrichtungen einhergehen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen; im Buch bereichert sie selbstverständlich das Werk.
Kritisch möchte ich hierzu  anmerken, dass bei der Nennung der Namen der Künstler, die ihr Leben in diesem schrecklichen Krieg lassen mussten (August Macke, Franz Marc, ...) sich der saarländische Rezensent  von der saarländischen Autorin gewünscht hätte, dass hier auch der Saarländer Albert Weisgerber erwähnt wird.
Historisch konsequent setzt sich das Tagebuch mit dem schwierigen Start der Weimarer Republik, den dennoch sog. goldenen Zwanzigern, der Machergreifung der Nationalsozialisten 1933 und dem anschließenden Untergang der jungen Demokratie
fort.
Mein Bewertung lautet "Geschichts- und zugleich Kunstunterricht der ganz besonderen Art und somit für an guter Literatur, an jüngerer Geschichte und an Kunst aus dieser Zeit Interessierte ist das Buch ein absolutes Muss".

 Meine Bewertung:

Für Geschichts- / Kunst- und Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung

 


[Seitenanfang] [Home]

cover_dschwdg.jpg

Benjo Maso: Der Schweiß der Götter

Erscheinungsdatum: 01.10.2011 ; Rezensionsdatum:  08.10.2018

  Verlag: Covadonga  ,  280 Seiten
ISBN-13: 978-3936973600


Ein äußerst detail- und faktenreiches (weshalb es hier unter der Rubrik Sachbuch eingereiht ist) Werk über die Geschichte und Hintergründe des Radsports. Es geht primär um die Tour de France, aber auch um  viele andere große Radrennen wie Giro d´Italia, Vuelta, Mailand-Sanremo, Paris-Roubaix oder Lüttich-Bastogne-Lüttich, um nur einige zu nennen. Das Buch reicht weit in die Vergangenheit zurück  und daher sollte man wissen, dass man sich schon bis auf Seiten jenseits der 200 durchlesen muss, bevor man auf Namen der jetzt auch nicht mehr so jungen Vergangenheit wie Jan Ullrich oder Lance Armstrong trifft. Wer also jüngere Informationen will, wird anderweitig schneller fündig werden.
 
Es belegt auch, dass die „Ungereimtheiten“, die den Profiradsport in den 80er-90er Jahren und zu Beginn dieses Jahrtausends dermaßen in Verruf gebracht haben, ihre Wurzeln schon in den Jahren ganz zu Beginn des letzten Jahrhunderts haben. Da sind - zuvor in Trinkflaschen versteckte - Nägel, die im Rennen auf die Straßen gestreut wurden und den Konkurrenten mehr als nur einen platten Reifen bescherten, nur eines von vielen Beispielen. Auch informiert das Buch über die Anfänge des Sponsorings, die Entwicklung zum Mannschaftssport, die Ausbildung der Teamhierarchien (Wasserträger, Edelhelfer, Domestiken, Kapitäne,… ). Hierüber  Bescheid zu wissen, ist sehr hilfreich dabei, die Taktiken der heutigen Teams  zu verstehen.  Zuweilen mag es etwas langweilen, sich auch durch Details der TdF vor dem 2. Weltkrieg durchzuarbeiten; für das Verständnis der Gepfogenheiten, Sitten und Taktiken heute ist das aber wie gesagt durchaus hilfreich. Man erfährt  auch viele kleine, weitgehend vergessene Anekdoten:  um wieder nur ein Beispiel zu nennen, die wonach die erste Trikotwerbung, die nicht von einem Fahrradhersteller gesponsert wurde, Nivea lautete.

Fotos und eine umfassende Bibliographie komplettieren das Werk.
Wer jedoch ein spannendes, fesselndes Buch erwartet, dem sei von Kauf und Lektüre abgeraten , dazu ist dieses Werk mit zu vielen Daten, Fakten, Zahlen und Details befrachtet und es ist - wie oben schon erwähnt - doch eher ein Sachbuch.  Ein Kapitel im Buch ist mit "Schön, aber langweilig"  überschrieben; ich will nicht soweit gehen, das zum Resümee des gesamten Buches zu erheben, aber so in die Richtung geht mein Fazit dann doch.
 
Allen Fans der o.a. traditionellen Radrennen, aber auch neu aufblühender wie z.B. die Deutschlandtour, sei die Lektüre empfohlen. Allen die mit dem Radsport nicht so viel am Hut haben, vielleicht weil sie von den Dopingsündern doch allzu sehr enttäuscht waren, sei andere Lektüre empfohlen.  Ich leg das Werk jetzt erst mal zur Seite; aber mit dem festen Vorhaben, es im Frühjahr 2019 als Stimulator auf die dann in Brüssel startende Tour 2019 erneut zu lesen.

Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung

 



cover_patria.jpg

Fernando Aramburo: Patria

Erscheinungsdatum: 2 Auflage 16.01.18 ; Rezensionsdatum:  11.03.18

  Verlag: Rowohlt , 768 Seiten
ISBN-13: 978-3498001025


Es geht in dem Buch um das Baskenland, spezieller um die ETA (die "Euskadi Ta Askatasuna"), die von 1960 bis 2011 das Ziel eines von Spanien unabhängigen, sozialistisch geprägten baskischen Staates verfolgte, der die spanischen Regionen Baskenland und Navarra sowie das französische Baskenland umfassen sollte. Soviel zum inzwischen historischen Hintergrund. Vor diesem  geht es um  die Angehörigen insbesondere zweier Familien über 3 Generationen. Sie leben in einem fiktiven Dorf in der Nähe von San Sebastian. Durch die Entwicklungen, durch die Politik, durch das Streben nach einem unabhängigen Baskenland, frei von – wie die ETA es nannte - der spanischen Besetzung, durch die damit einhergehende Gewalt und ein dadurch ausgelöstes ganz tragisches Ereignis werden sie von Freunden zu erbitterten Feinden. Die politischen Konflikte wirken derart in den Alltag hinein, dass sie Familien und Freundschaften, ja Leben, zerstören.
Und nicht nur zwischen den Familien, auch innerhalb dieser resultieren aus dem Terror der ETA tiefe Spalten und schwere seelische Verletzungen. Zuweilen „richtig starker Tobak“, was die Akteure durchmachen müssen.

Der Autor beschreibt dies alles sehr einfühlsam und lässt den Leser die Gefühle und Gedanken der Akteure spüren, nachempfinden. Da ist nichts Schrilles, alles geschrieben, wie mit Weichzeichner gezeichnet. Und doch geht es so richtig unter die Haut.
Zahlreiche Zeitsprünge (nahezu von jedem der zahlreichen Kapitel zum nächsten),  Episoden, die keiner chronologischen Ordnung folgen und häufige Wechsel der Erzähler und ihrer Perspektiven: Bei so manchen Autor verwirrt sowas den Leser ungemein; nicht so bei Fernando Aramburu. Diese seine Stilmittel sind trotz ihrer Häufigkeit nicht nur kein Problem, sondern machen den besonderen Reiz des Buches aus, denn der Autor nimmt den Leser hierbei ganz behutsam mit und unterstützt ihn, das Gesamtbild zu erkennen.

Dass der Text zuweilen Ausdrücke in baskischer Sprache (Euskera) enthält, macht das Buch noch stimmungsvoller; kritisch ist  jedoch anzumerken, dass man für eine Übersetzung stets im Glossar am Ende des Buches nachschlagen muss, was den Lesefluss unterbricht. Hier wären Fußnoten am unteren Rand jeder betroffenen Seite die bessere technische Lösung gewesen.

Auch vor dem aktuellen (2018) Hintergrund des Konfliktes in Katalonien, wenngleich dieser - da ohne Waffengewalt -  nicht 1:1 vergleichbar ist, ist der emotional mitreißende Roman sehr lesenswert. Ich gehe gar darüber hinaus und urteile, das Buch ist für alle Literaturinteressierte ein Muss.

Meine Bewertung:

Für Literaturinteressierte ein Muss

sehr lesenswert

lohnt sich

es gibt Besseres

Zeitverschwendung